Seit vier Tagen weiß ich, wie es sich anfühlt, gekündigt zu werden. Zum Glück wusste ich auch, dass es nur vier weitere Arbeitstage gewesen wären, die mir Geld eingebracht hätten. In meiner finanziellen Situation sollte ich dieses kleine Dilemma zwar nicht mit einem "Also nicht der Rede wert" abspeisen. Dennoch bin ich irgendwie froh, dass der Alptraum ein Ende hat. Seit Anfang des Monats durfte ich nämlich von acht Uhr früh bis fünf Uhr abends verkrüppelte Knospen von unzähligen Kiwibäumen abpflücken, denn wer würde auch noch verbeulte Kiwis in seiner Obstschale akzeptieren, wenn man schon krumme Bananen dulden muss, und das im einundzwanzigsten Jahrhundert. Um euch von jener Sorge zu entlasten, nahm ich Rückenleiden, Sonnenbrände und Genickschmerzen auf mich und pflückte fleißig Knollen, die mich bis in den Schlaf begleiteten - manchmal, weil am Ende des Tages noch welche aus dem Ärmel rollten, oder, weil mich im Traum eine Knospenlegion über Kontinente verfolgte. Den Kampf gegen die Kiwis nahm dann aber nicht ich allein im Schlaf, sondern ein sich schnell ausbreitendes Bakterium, das zahlreiche Plantagen angegriffen hatte, auf, sodass uns unser Supervisor Robin, der eigentlich so aussah, als würde er Otto heißen, vor vier Tagen mitteilen musste, dass es von nun an keine Arbeit mehr für uns geben würde.
Im Psychologieunterricht hatte ich einmal gelernt, dass die Psyche eines jeden Menschen verschiedene Angstabwehrmechanismen anwendet, um ein Trauma zu verarbeiten. Meine Seele wusste wohl auch, was nach einem traumatischen Erlebnis wie einer Kündigung zu tun war: Der Gang zum Friseur. Pony ran, Spitzen ab. Und dann gleich die nächste Katastrophe, die sich als zweistellige Summe entpuppte: 69 Dollar. Einen kurzen Moment lang fühlte ich mich dabei sogar noch besonders, denn wer konnte sich es schon leisten, für einen Pony und kürzere Spitzen so einen Betrag zu zahlen? Da musste man schon richtig Geld in der Tasche haben. Doch dann begriff ich, dass ich weder Geld in der Tasche hatte, noch besonders war und zu der Sorte der Arbeitslosen gehörte, die keinen Ferrari fuhren. (Ja, das war jetzt sehr milde ausgedrückt, aber gönnt mir noch ein letzten Rest Würde!) Zur Krönung des Tages, oder, um den Schmerz über die Kündigung und die Friseurrechnung runterzuschlucken - im wahrsten Sinne des Wortes- genoss ich dann noch das "Magnum Gold" aus der limited edition. Magnum GOLD.
Gestern entspannte ich den ganzen Tag am Strand, hörte dabei The Drums und geriet auf der Rückfahrt in die Stadt ins träumen, nachdem wir an Straßen wie "Pacific Road" oder "Beach Drive" vorbeirauschten. Und noch mehr freute ich mich, als ich wusste, dass ich immer noch dabei war, diesen Traum zu leben. Den Traum vom Meer, vom leisure life und den vielen Surfern. Übrigens werde ich in weniger als einer Woche eine von ihnen sein, dann stelle ich mich endlich selbst auf's Board. Arbeitslosigkeit ist doch gar nicht so schlimm, wie die meisten Leute vermuten.
Aloha!