Nachdem ich vier Naechte im Hostel verbracht habe und ich meine Brieftasche nicht daran hindern konnte, dem Geld gewisse Freiheiten zu goennen, war es an der Zeit dem Geldhahn den Hals umzudrehen. So landete ich fuer dre
i Tage in einer eigensinnig konstellierten WG im Westen der Stadt. Dave, ein Kuenstler mit Motivationsproblemen der selbst "zu faul zum Reisen" ist und sich deshalb die Welt in sein Zimmer holt, an Wochenenden "nie nuechtern" bleibt, und seit sechs Jahren in seinem Wohnzimmer studiert, ist stets darum bemueht, dass sich seine Gaeste wohlfuehlen. Dass sich seine Couchsurfer in seinem legalen Repartoire an tausenden Raubkopien auf seinem Computer bedienen durften, war selbstverstaendlich im Service enthalten. Der einzige Minuspunkt meines Aufenthalts in der Wharf Road war der Kaelte im ganzen Haus verschuldet, denn abends kam eher Eisschollenstimmung als Inselvergnuegen auf. Trotzdem: Danke, Dave!Anschliessend verschlug es mich in ein grosses Holzhaus mitten in einem Palmengarten zu einer Grossfamilie, ebenfalls in West-Auckland gelegen. Abgeholt wurde ich am Hauptbahnof von Karens Neffen Karn und dessen Tante. Karn erklaerte mir gleich zu Beginn, dass er besoffen waere und ich antwortete ihm, dass ich das bereits g
erochen haette. Die Autofahrt vom Bahnhof bis zu meinem voruebergehenden Zuhause dauerte etwa eine halbe Stunde und ich war umso erleichterter, als ich das Haus betrat und ich meinen Atem nicht vor meinen Augen sehen konnte. Es war warm. Nachdem Karen und ihre Schwester ins Bett gegangen waren, verschuettete Karn noch drei Mal sein Bier auf dem Teppich und stimmte mir zu, dass es sich dabei um kuenstlerische Freiheit handeln wuerde. Als ich am naechsten Morgen das Wohnzimmer betrat, und ich fast ueber einen fetten Klumpen am Boden gestolpert waere, versuchte mir Karens zweiter Neffe gerade zu erklaren, dass es sich bei diesem Klumpen um eine Katze handelte. Das war spaetestens zu erahnen, als sich der Fellhaufen Richtung Fressnapf bewegte. Spaeter wurden mir noch die Kuehe und Rosie, die alte Sau, im Garten vorgestellt. Habe ich schon den Hund erwaehnt? Obwohl mein Bett minimal nach einem Gemisch aus diversen Tieren roch, war das Haus wirklich gepflegt und die Leute richtig nett. Und warum sollte man sich ueber irgendetwas beschweren, wenn es zum Fruehstueck Bakon, mit Ei und Toast gibt? Ich danke Karen und allen Mitbewohnern!Und nun sitze ich hier in der Church Street in einem Singlehaushalt am Devonport und wohne bei Amitee, einem Makeup-Artist, die vor zwei Wochen von ihrem Mann verlassen wurde. Ihr fuenf Monate alter Sohn schreit morgens so laut, dass man ihn besser in der Wecker Industrie einsetzen sollte. Mehr kann ich noch nicht berichten. Ich bleibe noch zwei Tage hier. Bis dahin, danke, Amitee!

