Freitag, 23. Juli 2010

Surfen gehoert nach Neuseeland wie HartzIV nach Deutschland. Mit dem Couchsurfen verhaelt es sich nicht anders. Heute ist der sechste Tag in der dritten Familie auf meiner Sofa-Welle in Auckland. Grund genug, die letzten Tage zusammenzufassen.

Nachdem ich vier Naechte im Hostel verbracht habe und ich meine Brieftasche nicht daran hindern konnte, dem Geld gewisse Freiheiten zu goennen, war es an der Zeit dem Geldhahn den Hals umzudrehen. So landete ich fuer drei Tage in einer eigensinnig konstellierten WG im Westen der Stadt. Dave, ein Kuenstler mit Motivationsproblemen der selbst "zu faul zum Reisen" ist und sich deshalb die Welt in sein Zimmer holt, an Wochenenden "nie nuechtern" bleibt, und seit sechs Jahren in seinem Wohnzimmer studiert, ist stets darum bemueht, dass sich seine Gaeste wohlfuehlen. Dass sich seine Couchsurfer in seinem legalen Repartoire an tausenden Raubkopien auf seinem Computer bedienen durften, war selbstverstaendlich im Service enthalten. Der einzige Minuspunkt meines Aufenthalts in der Wharf Road war der Kaelte im ganzen Haus verschuldet, denn abends kam eher Eisschollenstimmung als Inselvergnuegen auf. Trotzdem: Danke, Dave!

Anschliessend verschlug es mich in ein grosses Holzhaus mitten in einem Palmengarten zu einer Grossfamilie, ebenfalls in West-Auckland gelegen. Abgeholt wurde ich am Hauptbahnof von Karens Neffen Karn und dessen Tante. Karn erklaerte mir gleich zu Beginn, dass er besoffen waere und ich antwortete ihm, dass ich das bereits gerochen haette. Die Autofahrt vom Bahnhof bis zu meinem voruebergehenden Zuhause dauerte etwa eine halbe Stunde und ich war umso erleichterter, als ich das Haus betrat und ich meinen Atem nicht vor meinen Augen sehen konnte. Es war warm. Nachdem Karen und ihre Schwester ins Bett gegangen waren, verschuettete Karn noch drei Mal sein Bier auf dem Teppich und stimmte mir zu, dass es sich dabei um kuenstlerische Freiheit handeln wuerde. Als ich am naechsten Morgen das Wohnzimmer betrat, und ich fast ueber einen fetten Klumpen am Boden gestolpert waere, versuchte mir Karens zweiter Neffe gerade zu erklaren, dass es sich bei diesem Klumpen um eine Katze handelte. Das war spaetestens zu erahnen, als sich der Fellhaufen Richtung Fressnapf bewegte. Spaeter wurden mir noch die Kuehe und Rosie, die alte Sau, im Garten vorgestellt. Habe ich schon den Hund erwaehnt? Obwohl mein Bett minimal nach einem Gemisch aus diversen Tieren roch, war das Haus wirklich gepflegt und die Leute richtig nett. Und warum sollte man sich ueber irgendetwas beschweren, wenn es zum Fruehstueck Bakon, mit Ei und Toast gibt? Ich danke Karen und allen Mitbewohnern!

Und nun sitze ich hier in der Church Street in einem Singlehaushalt am Devonport und wohne bei Amitee, einem Makeup-Artist, die vor zwei Wochen von ihrem Mann verlassen wurde. Ihr fuenf Monate alter Sohn schreit morgens so laut, dass man ihn besser in der Wecker Industrie einsetzen sollte. Mehr kann ich noch nicht berichten. Ich bleibe noch zwei Tage hier. Bis dahin, danke, Amitee!

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die Planlosigkeit schließt einen Plan nicht aus!




"Und, was machst du jetzt so, nach den zwei Hostel-Übernachtungen?"
"Ich habe mich um einen Job gekümmert, und ihn bekommen. Ich werde jetzt auf einer Farm arbeiten und danach in den Süden, wahrscheinlich mit Stray, der Busorganisation."
"Hm, schön. Ist ja super!"

Wer mich kennt, weiß, welchen Teil ich in dieser Konversation übernommen habe. Eben diesen Teil, der die Planungen seines Gegenübers nicht mit doppelt so vielen Zukunftsaussichten toppen könnte.
Aber wenn jeder, den man nach seinen Planungen fragt, sofort eine oder mehrere Antworten parat hat und man sich danach fast gedemütigt fühlt und sich fragt "Warum klappt die Planerei bei mir einfach nicht?", ergibt es sich irgendwie von selbst, dass man sich dann doch hier und da mal umschaut und sich die Zukunftsaussichten automatisch konkretisieren. So habe ich heute auf einer Farm angerufen, um dort für zwei Wochen zu bleiben, ohne Bezahlung, dafür Unterkunft und Essen inklusive. Ich wurde gebeten, mich später nocheinmal zu melden, da die Bauernfrau noch auf eine andere Bewerberin warte. Ich hoffe, der Teufel hat jene Bewerberin ergriffen und in seine Höhle verschleppt!
Überraschenderweise hat sich nach der heutigen und letzten Travelworks-Präsentation noch ein Plan Nummer 2 ergeben. Obwohl ich es vorher nie in Erwägung gezogen habe, versuche ich mich jetzt um einen Platz als Au-Pair zu bewerben, denn so locker scheinen die Bewerbungsgespräche hier doch nicht zu laufen, sodass ich mich nicht sofort super selbstbewusst mit meinem deutschen Hackbeil-Englisch einem Arbeitgeber in einem Hotel, einer Bar oder sonstwo präsentieren würde. Also lieber erstmal sprechen lernen.
Wenn das mal kein Plan ist!

Dienstag, 13. Juli 2010

future look


Ab heute lebe ich in der Zunkunft. Und die Zukunft ist wirklich unglaublich. Ehrlich gesagt, haette ich nicht vermutet, dass ich nach einem zehnstuendigen Flug von Frankfurt nach Seoul und nach weiteren elf Stunden bis nach Auckland in der Lage bin, ueberhaupt noch irgendetwas wahrzunehmen. Doch der wolkenlose Himmel und das satte Gruen der Pflanzen holten mich bereits am Flughafen wieder aus meiner Abwesenheit zurueck in die Wirklichkeit. Alles sieht hier irgendwie gesuender aus. Nachdem wir in den Bus gestiegen waren, haute mich der Akzent des Busfahrers auch gleich mal um. Der kiwi-accent ist naemlich ein Erbe der damaligen britischen Besetzung Neuseelands und klingt, tattattattaaaa, britisch! Fuer mich heisst das konkret: Ohrenverwoehnprogramm for free - elf Monte lang.
Bevor wir dem Weg zum Hostel folgten, legten wir noch einen Stop am Mt. Eden, einem Vulkan, ein, fuer ein paar Fotos von Auckland aus der Vogelperspektive. Das Meer umsaeumt die groesste Kiwi-Stadt von Osten und Westen, darum nennt sich der Hafen auch nicht umsonst "sparkling harbour".
Nun, nachdem wir die Rucksaecke alle im Hostel abgestellt haben, sitze ich hier mit ein paar anderen aus der Gruppe im Travelworks-office mit Ausblick auf die Stadt, um euch von meinem Tag zu berichten.
Da gibt es doch gleich noch eine wichtige Statistik zum Schluss: Die heutige Skinnyjeans-Bilanz betraegt 6 enge Hosen in einer halben Stunde city walk. Gar keine Schlechten Aussichten hier ;)

Donnerstag, 8. Juli 2010

Und, schon wach?

In weniger als 5 Tagen werde ich am Frankfurter Flughafen den Flieger Richtung Auckland über Seoul betreten. In meiner Vorstellung sehe ich in der Wartehalle ein kleines Mädchen mit großem Rucksack, das mit naivem Blick seine Umgebung auskundschaftet, einige der Mitreisenden ab und zu anlächeln und mit dem ein oder anderen ein nettes Gespräch führen wird. Und dann, nach 20 Stunden Flug wird es am anderen Ende der Welt angekommen sein, das erste Mal neuseeländischen Boden betreten und mal gucken, was so los ist auf der Insel.

Wenn ich nun noch Aufregung vor der Reise Richtung Südkugel in meine Visionen einbeziehen sollte, müsste ich ersteinmal nach ihr suchen. So, wie ich sie vor sämtlichen Abiturprüfungen gesucht habe - nie gefunden. Und genauso ist es auch diesmal. Ich bin kein bisschen aufgeregt vor dem, was vor mir liegt. Ich freue mich nur. Das liegt vermutlich daran, dass ich noch gar nicht richtig wach bin, denn ich habe das Gefühl, als gehe es in den Urlaub, so für zwei, drei Wochen. Falsch gefühlt! Diesmal packe ich meinen Rucksack nämlich nur mit Klamotten für eine einzige Woche. Und da darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Textilien elf Monate lang in neuseeländischen Waschtrommeln geschleudert werden sollen. Das ist auch schon der Anfang vom Ende meiner Fantasie, denn so richtig vorstellen kann ich mir noch nicht, dass es so lange dauern kann, bis man herausgefunden hat, was so los ist auf der Insel.

Von nun an werde ich euch regelmäßig über Kuriositäten, Bekanntschaften und Neuentdeckungen auf meiner Reise informieren und euch hoffentlich beweisen, dass meine Zweifel unbegründet sind.

Aloha!