Sonntag, 26. Dezember 2010

Fortsetzung folgt...

Auckland, 02. Dezember 2010, 19.30 Uhr. Ich stehe zwischen Teenagern und jung gebliebenen Genießern. Wir alle lieben die Sonne, das Meer und gute Musik. Der erste Akkord erfüllt die stickige Konzerthalle. Plötzlich fällt das Atmen wieder leichter. Jubeln. Ich frage mich, wer die beiden Mädchen auf der Bühne sind. Später erfahre ich, dass sie sich Tegan & Sara nennen, aus Kanada kommen und Jack dankbar dafür sind, ihn begleiten zu dürfen. Es ist ihr zweiter Besuch in Neuseeland. Die Musik ist sauber, leidenschaftlich, am Ende mitreißend. Ich applaudiere und versuche, mich an den Namen eines ihrer bekannteren Lieder zu erinnern. "Back in your head". Zurück in deinen Kopf. Ich wusste, ich kannte den Song, der es jetzt sogar in die Titelliste auf meinem iPod geschafft hat.

Jacks Alben waren es mir allerdings schon Jahre vorher wert. Unterlegt von weichem Gitarrensound und entspannten Pianoeinlagen besingt er den "Fortunate Fool", erzählt uns "Anything But The Truth" und öffnet uns das Tor "To The Sea". Spätestens jetzt ist der Sommer angekommen; draußen, in der Arena und in den Herzen. Jack fragt, "Where'd all the good people go?". Hier sind sie, schätze ich. Aufgeregt ist er wieder. Nachdem eine halbe Stunde vergangen ist, stellt er fest, dass er vor lauter Nervosität vergessen hat, Hallo zu sagen. Macht nichts, Jack. Hallo! Auch die Aussetzer nehme ich ihm nicht übel, wenn er uns peinlich berührt fragt, ob wir ihm die erste Zeile von "Better Together" verraten können. Später schreibe ich einem Freund in einer Email, "I can't blame JJ, he's a singing surfer." Dann macht er Witze darüber, dass ich einen bekannten Musiker JJ nenne. Aber jeder, der einmal in einem Raum mit Jack Johnson war, weiß, dass es sich anfühlt, als kenne man ihn schon Jahre, wenn er auf der Bühne seine Lieder singt und Geschichten vom Strand und der Liebe erzählt. Gute Gefühle. Überall. Nicht zuletzt, weil Aisha neben mir steht, die ich zuletzt vor zwei Monaten gesehen habe. Vor meiner Reise durch die wunderschöne Nordinsel dieses zauberhaften Landes.

Ein paar Stunden später, Abschied. Abschied von Jack, Abschied von Aisha, Nicola, Abschied von allem Bekannten. Ein zweites Mal verlasse ich Auckland, die Stadt, die mich am Anfang begrüßt und aufgenommen hatte. Es fühlt sich an, als ließe ich die Heimat hinter mir. Ich breche auf ins Unbekannte. Allein als einsame Reisende. Unterwegs macht sich schon nach wenigen Tagen die Last meines Rucksacks bemerkbar. Er zerrt an meinen Schultern. Ich quäle mich. Es wird Zeit, ihn abzusetzen und mir für einige Tage eine Auszeit zu gönnen. Nachdem ich die vergangenen Tage durch Wellington, Picton, Nelson und Westport gerauscht bin, komme ich an in Granity, einem verschlafenen Küstenörtchen im Westen der Südinsel. Mit schweren Schritten schleppe ich mich und den Rucksack die Straße entlang. Niemand ist zu sehen, kein Auto, keine Menschen. Auf meiner Rechten beherrschen gewaltige, grüne Berge die Landschaft, um deren Gipfel sich ein müder Schleier von Nebel legt. Links von mir rauscht das Meer. Kraftvoll schlagen sich die Wellen um dunkle, aus dem Wasser ragende Felsen. Der steinige Strand ist unberührt. In seiner Zeitlosigkeit und Weisheit überlässt er sich den Gewalten des Ozeans und der Winde.

Es ist ein trüber Tag, als ich meine neue Unterkunft erreiche. Jeffs selbst erbautes Haus gleicht einem Lager von Gerümpel. Spielzeuge, Porzellanfiguren, Küchengeräte und unnützer Kram stapeln sich in Schränken und Regalen. Dennoch erfüllt die kunterbunten Räume eine glühende, melancholische Atmosphäre, denn jede Puppe, jeder Lampenschirm, selbst die unzähligen Variationen an Salz-und Pfefferstreuern verbinden sich mit der Leidenschaft der einsamen Seele des dennoch glückichen Mannes. Hunde, Katzen, Hühner und Schildkröten tun ihr übriges, um Haus und Garten Leben einzuhauchen. Zum Abend bekocht er mich und meinen neuen Reisepartner Daniel mit reichlich Fleisch. Zu viel Fleisch. Danach beschließen wir, uns von nun an vegetarisch zu ernähren. Der Tiere wegen. Um Mitternacht herum machen wir uns auf zum Ozean und lassen uns für ein paar Minuten von den Wellen treiben. Ich glaube, so fühlt sich Freiheit an. Ich vergesse die stechende Kälte, die in meinen Körper eindringt und bin glücklich. Für einen Augenblick gibt es nur mich, das Wasser und den Mond, der über mir die Farben des Tages in eine silbergraue Nacht verwandelt. Nach zwei Wochen Arbeit in Jeffs Garten habe ich gelernt, eine Kettensäge zu bedienen, das Geschirr nach Gebrauch dirket in den Geschirrspüler zu räumen und Spinnen und anderes Getier zu tolerieren.

Es wird Zeit aufzubrechen. Wir haben genug von viel zu gutem Essen und dem Leben im Caravan. Kaum sind die Rucksäcke gepackt, finden wir uns wieder am staubigen Straßenrand unter der brühenden Mittagssonne. Es ist ein heißer Sommertag. Das Abenteuer beginnt. Nach wenigen Minuten Warten hält das erste Auto, wir steigen ein und trampen gen Süden. Der Fahrer, ein alter Mann, der vermutlich sein ganzes Leben im kleinen Granity verbracht hat, spricht nicht viel, trotzdem ist er herzlich und wünscht uns mit dem wärmsten Lächeln eine gute Reise. Zahlreiche andere Fahrten folgen. Ein Mal entlang einer wunderschönen, kilometerlangen Küstenstraße mit einem Deutschen, der das Hoch seiner Gefühle mit einem "Gar nicht mal so schlecht" ausdrückt, ein anderes Mal mit einem wilden Ausreißer aus Auckland, der sich aufgemacht hat, sein eigenes Land zu erkunden, zusammen mit seiner Gitarre und dem nagelneuen Saxophon. Während der Fahrt durch das sich ständig ändernde Landschaftsbild, hinweg über Berge, entlang der Küste und durch saftig grüne Wälder hören wir Jazz. Später, angekommen am Franz Joseph Gletscher, improvisieren die zwei Jungs selbst. Einer an der Gitarre, der andere am Saxophon. Ich höre zu und begreife im selben Moment, was Jack Kerouac gemeint hat, wenn er in seinen zahlreichen Büchern von "sudden savage joy" spricht, der plötzlichen wilden Freude. Plötzliche wilde Freude über das Reisen, das rauschende, fieberhafte Leben unterwegs und über gute Gesellschaft. Und die Musik. Das ist alles, was zählt. Die Nacht verbringen wir in unseren Schlafsäcken am Rand einer Klippe auf weichem, moosbewachsenen Boden und genießen den sternenklaren Himmel, den Ausblick auf den Gletscher, der im Mondschein umso kühler und gewaltiger wirkt. Wir sind inmitten der Natur und hören Joy Division. Eine Sternschnuppe zieht ihre Bahnen durchs Universum. Ich darf mir was wünschen.

Der nächste Tag ist anstrengend. Drei Stunden folgen wir der Straße Richtung Wanaka, auf der Rückbank eines Campervans zweier Australier. Das Paar gönnt sich drei Wochen Auszeit und ist froh, dass Neuseeland um einiges kleiner ist, als ihr eigenes Land. Nach einer Stunde Fahrt machen wir Rast auf einem winzigen Parkplatz direkt am Meer. Das Mädchen kocht uns Nudeln. Es wird heiß im Auto, also beschließen wir, uns im Ozean abzukühlen. Während ich mit Daniel über anstehende Pläne diskutiere und mit den hohen Wellen kämpfe, tauchen unweit von uns plötzlich Delfine auf. Wir sind verzaubert. Plötzliche wilde Freude.

Dort, wo die Sonne in den Nachmittagsstunden den Gipfel des Mount Aspiring bestrahlt, sich unzählige Touristen in kleinen Straßencafés und Souvenirlädchen tummeln, Kinder in dem warmen Wasser des vom Gebirge umsäumten Sees plantschen und ihre Eltern am Strand im Schatten unter ausgedehnten Baumkronen die Tageszeitung lesen, nennt man es Wanaka, ein kleines Örtchen mit sonntäglichem Wochenmarkt. Ich kaufe mir ein Kilo Kirschen, setze mich auf eine Bank am See und genieße -alles-, während Daniel sich vor dem Supermarkt ein Duzend Dollar mit seinen neuen Songs dazuverdient. Am Abend klettern wir auf einen Baum und lesen uns ein paar Seiten aus "The Town And The City" vor. Fehlt nur noch eine geröstete Kumera, Neuseelands berühmte Süßkartoffel, und Chutney als Beilage zum Dinner.

Die folgenden Tage führen uns weiter südwärts. Nachdem wir Wanaka verlassen haben, finden wir uns wieder in Te Anau, einem noch kleineren Örtchen, dessen einziger Zweck es ist, Touristen zu beherbergen, die von Gletscherwanderungen, Skydives oder anderen Ausflügen zurückkehren, um ihre Mägen an der Sandwichtheke des einzigen örtlichen Supermarktes aufzufüllen, oder sich noch mehr Souvenirs zu kaufen. Es ist ungeheuer heiß. Mir laufen Schweißperlen von der Stirn, die wohl im selben Moment in der Hitze verdunsten. Zeit für ein Eis. Himbeer-Vanille. Danach springen wir in den nahe gelegenen See, schwimmen und können nicht mehr aufhören zu lachen. Warum, weiß ich nicht. Das Trampen klappt nicht, also bleiben wir über Nacht in Te Anau und suchen uns einen Schlafplatz am Ufer des Sees. Die einzige Gesellschaft, die sich uns bietet, sind ein paar Wasservögel. Der Sonnenuntergang ist phänomenal. Ich beobachte, wie das Licht den Himmel in eine Mischpalette aus Gold, Purpur und Violett verwandelt. Alles scheint sich zu bewegen. Sogar die mächtigen Berge, die sich durch den Lauf der Schatten langsam in einen ruhigen Schlaf wiegen, bis sie wieder versteinern, in ewiger Ruhe. Kurz bevor Sonnenaufgang wecken mich Wassertropfen, die wild auf mein Gesicht rieseln. Es hat angefangen zu regnen. Zeit aufzustehen. Wenige Stunden später stehen wir wieder an der Straße. Nebenbei übe ich mich an der Gitarre und stelle fest, ich werde besser. Am selben Tag erreichen wir Invercargill, eine größere Stadt im Süden der Insel. Der Nieselregen und die grauen Wolken lassen den Ort umso trüber und trotloser erscheinen. Ich heitere mich mit einem heißen Cappuccino in einem netten Café auf, während Daniel seine Flugtickets nach Nepal bucht. Die Nacht verbringen wir in einem dunklen Hostelzimmer. Unser einziger Mitbewohner, ein Backpacker aus Colorado, der so spät ins Zimmer kommt, dass wir ihn erst am nächsten Morgen bemerken. Das Kennenlerngespräch verläuft wie gewöhnlich. "Und, wo kommst du her? Wie lange bist du schon hier? Hast du schon gearbeitet?". Es hat sich eine Art Routine in diesen Gesprächen entwickelt, dennoch genieße ich es, mich mit anderen Reisenden auszutauschen. Jeder berichtet von seinen Erfahrungen, dann fragt der eine, "Echt?" und der andere sagt, "Ja, wirklich!". Die Gesichter ändern sich, aber die Gespräche bleiben gleich. Auch das schafft etwas heimatliches. Heimat an unterschiedlichen Orten mit ähnlichen Geschichten von unterschiedlichen Menschen. Ein Heimatrausch.

Bluff ist der letzte Ort, den wir auf der Südinsel ansteuern, bevor wir die Fähre nach Stewart Island betreten. Ein alter Mann erzählt uns auf der Fahrt in seinem rostigen Auto Geschichten über das Leben und seinen geliebten Heimatort. Er hat viel erlebt. Das verraten mir die tiefen Falten in seinem Gesicht. Und er hat viel gelacht. Wir sitzen am Hafen in Bluff. Noch eine Stunde bis zur Abfahrt. Glück. Weihnachten steht kurz bevor, und so viel soll verraten sein: Während ihr eure Geschenke ausgepackt habt, verbrachte ich bereits meine dritte Nacht im Wald. Auf der Insel. (Ungeduscht.)

Sonntag, 28. November 2010

Krisenstimmung?

Seit vier Tagen weiß ich, wie es sich anfühlt, gekündigt zu werden. Zum Glück wusste ich auch, dass es nur vier weitere Arbeitstage gewesen wären, die mir Geld eingebracht hätten. In meiner finanziellen Situation sollte ich dieses kleine Dilemma zwar nicht mit einem "Also nicht der Rede wert" abspeisen. Dennoch bin ich irgendwie froh, dass der Alptraum ein Ende hat. Seit Anfang des Monats durfte ich nämlich von acht Uhr früh bis fünf Uhr abends verkrüppelte Knospen von unzähligen Kiwibäumen abpflücken, denn wer würde auch noch verbeulte Kiwis in seiner Obstschale akzeptieren, wenn man schon krumme Bananen dulden muss, und das im einundzwanzigsten Jahrhundert. Um euch von jener Sorge zu entlasten, nahm ich Rückenleiden, Sonnenbrände und Genickschmerzen auf mich und pflückte fleißig Knollen, die mich bis in den Schlaf begleiteten - manchmal, weil am Ende des Tages noch welche aus dem Ärmel rollten, oder, weil mich im Traum eine Knospenlegion über Kontinente verfolgte. Den Kampf gegen die Kiwis nahm dann aber nicht ich allein im Schlaf, sondern ein sich schnell ausbreitendes Bakterium, das zahlreiche Plantagen angegriffen hatte, auf, sodass uns unser Supervisor Robin, der eigentlich so aussah, als würde er Otto heißen, vor vier Tagen mitteilen musste, dass es von nun an keine Arbeit mehr für uns geben würde.

Im Psychologieunterricht hatte ich einmal gelernt, dass die Psyche eines jeden Menschen verschiedene Angstabwehrmechanismen anwendet, um ein Trauma zu verarbeiten. Meine Seele wusste wohl auch, was nach einem traumatischen Erlebnis wie einer Kündigung zu tun war: Der Gang zum Friseur. Pony ran, Spitzen ab. Und dann gleich die nächste Katastrophe, die sich als zweistellige Summe entpuppte: 69 Dollar. Einen kurzen Moment lang fühlte ich mich dabei sogar noch besonders, denn wer konnte sich es schon leisten, für einen Pony und kürzere Spitzen so einen Betrag zu zahlen? Da musste man schon richtig Geld in der Tasche haben. Doch dann begriff ich, dass ich weder Geld in der Tasche hatte, noch besonders war und zu der Sorte der Arbeitslosen gehörte, die keinen Ferrari fuhren. (Ja, das war jetzt sehr milde ausgedrückt, aber gönnt mir noch ein letzten Rest Würde!) Zur Krönung des Tages, oder, um den Schmerz über die Kündigung und die Friseurrechnung runterzuschlucken - im wahrsten Sinne des Wortes- genoss ich dann noch das "Magnum Gold" aus der limited edition. Magnum GOLD.

Gestern entspannte ich den ganzen Tag am Strand, hörte dabei The Drums und geriet auf der Rückfahrt in die Stadt ins träumen, nachdem wir an Straßen wie "Pacific Road" oder "Beach Drive" vorbeirauschten. Und noch mehr freute ich mich, als ich wusste, dass ich immer noch dabei war, diesen Traum zu leben. Den Traum vom Meer, vom leisure life und den vielen Surfern. Übrigens werde ich in weniger als einer Woche eine von ihnen sein, dann stelle ich mich endlich selbst auf's Board. Arbeitslosigkeit ist doch gar nicht so schlimm, wie die meisten Leute vermuten.
Aloha!

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Zugegeben, ich habe ihn ausgesprochen, diesen gemeinen Satz, und ihn gewürzt mit einer anständigen Portion Schadenfreude. Extra-spicy. Auf dem Silberteller serviert hört er sich so an: "Stell dir nur mal vor, wie die anderen jetzt im Hörsaal sitzen und studieren, draußen regnet es und wir sitzen hier an einem Traumstrand, tun alles was man tun kann, um nichts zu tun und genießen einfach nur die Sonne. HA HA!" Böse, oder? Aber keine Sorge, denn die Zeit wird kommen, in der ihr mich auslachen könnt, verpöhnen, oder auf Facebook disliken. Eigentlich müsste ich euer Gelächter demnächst hören, wenn mein Rücken beim Versuch den "Arsch", wie ich meinen neuen Rucksack jetzt vorzugsweise nenne, hochzuhieven, so laut knackt, dass Gundula Gause und Claus Kleber während der "Heute Nachrichten" darüber streiten, ob es sich dabei um den Ausbruch des Dritten Weltkrieges oder die unvorhergesehene Kollision zweier Kontinentalplatten handeln könnte. Reisen ist nämlich nur halb so einfach, wie man es sich anfangs vorstellt und um euch keine Illusionen zu hinterlassen, möchte ich euch lieber die ganze Wahrheit, die sich hinter Traumstränden, idyllischen Buchten und romantischen Sonnenuntergängen versteckt, erzählen.

Nachdem "Travel" seit meiner Ankunft in Paihia endlich erwachte und sich die Dominanz vor "Work" erkämpft hatte, fing die Reise wirklich harmonisch an. Nicht einmal die vierstündige Busfahrt von Auckland in den nordöstlich gelegenen Küstenort hätte mich davon abhalten können, kurz vor der Ankunft meine Handflächen gegen die Fensterscheibe zu pressen, die Augen auf die Größe von Billardkugeln aufzureißen und den Mund so weit zu öffnen, dass er in die "Mund-zu-sonst-komm'-die-Fliegen-rein"-Kategorie gefallen wäre. Das, was ich gesehen hatte, war nämlich filmreif. Feiner Sandstrand, der unter der warmen Abendsonne in goldener Melancholie schimmerte, die dunklen Silhouetten kleinerer Inseln, die einsam aus der mächtigen Weite des Ozeans ragten und, wie mein Vater noch hinzufügen würde, "keine Sau weit und breit". Die nächsten Tage verbrachten wir damit die Halbinsel Russel zu besuchen und uns den Weg durch den Regenwald zu den Haruru Falls zu erkämpfen. Die Strecke zu den Wasserfällen verlangte uns einen dreistündigen Lauf über unebenen Waldboden ab, schenkte uns aber ebenso einmalige Sinneseindrücke. Die urzeitlichen Farne und riesigen Bäume verdeckten uns jegliche Sicht in den Himmel und nur ein schmaler Pfad leitete die Wanderer durch dieses magische Land voller geheimnisvoller Gerüche und exotischer Gesänge. Der dritte Tag unseres Aufenthalts in Paihia begann zu einer unmenschlichen Zeit, denn 6.30 Uhr wartete der Bus vor dem Hostel, um uns an den nördlichsten Punkt der Nordinsel, Cape Rainga, zu chauffieren. Dass zu der recht anstrengenden Fahrt auch ein Unterhaltungsprogramm vom Busfahrer gehörte, stand nicht im Prospekt, auch nicht dass die Lautsprecher im Bus die lauteste Einstellung auf meinem iPod übertönten. Und wenn der Fahrer nicht sprach und uns seine komplette Familienhistorie erzählte, sang er Maori-Lieder, die mich an das Geheul verhungernder Hyänen erinnerten (Und nein, natürlich habe ich verhungernde Hyänen noch nie schreien hören...). Dieser Morgen war gelaufen. Als wir endlich am Cape angekommen waren, hieß es gleich: "Halbe Stunde, dann treffen wir uns wieder im Bus!". Ay, ay, Captain! Also, hastiger Marsch über einen grasigen Hügel zum Leuchtturm, Aussicht über das Meer genossen, Fotos geschossen, zurück zum Bus. Oh nein! Spät dran! "Heeey, wir warten schon auf euch! Beeilung! Wir müssen weiter! Kommt schon!", rief es von Weitem. Brühende Sonne über meinem Kopf. Schweißperlen. Dann nahmen wir wieder Platz auf den Sitzen. Unmittelbar startete der Motor. Zehn Minuten entfernt lagen die Sanddünen. Dann stand Sandboarden auf dem Programm. Lustig, dachte ich. Listig, dachte der Busfahrer, denn erst, als er jedem schon ein Sandboard in die Hand gedrückt hatte, zeigte er uns freudig den Anstieg, der auf uns wartete: Eine 100 Meter hohe Düne mit einem gefühlten Steigungswinkel von 89°. Die Abfahrt war dennoch lustig und ganz unerwartet flog mir kein einziges Sandkorn in die Augen. Nach dem Surftrip setzte sich der Bus auch schon wieder gen Paihia in Bewegung, aber diesmal entlang am 90 Miles Beach. Es fühlte sich irgendwie gespenstisch an, denn fast eine Stunde rasten wir über feuchten Sandboden, der rechts von mir in einen riesigen Ozean eintauchte. Das Einzige, was ich sehen konnte, wenn ich aus dem Fenster blickte, waren Strand, Meer und Himmel. Und alle paar Kilometer ein Wasservogel, der Muscheln aus dem Sand pickte.

Das nächste Ziel auf unserer Reise ließ nicht lange auf sich warten: Hahei, Coromandel region, Ostküste, Nordinsel. Nachdem uns der Busfahrer an einem kleinen Minimarkt abgesetzt hatte, der, wie wir später erfahren sollten, der einzigste und leider auch teuerste Laden im ganzen Dorf war, durften wir uns damit begnügen ein anständiges Hostel zu suchen. Mit dem tonnenschweren "Arsch" auf dem Rücken und einer kompromisslosen Sonne im Nacken. In Hahei gab es zwei günstige Absteigen für Backpacker, von denen eins am Strand lag und ausgebucht war und ein anderes im Ortskern mit freien Betten. Ihr dürft lachen, nachdem ich euch gefragt habe, welches Hostel wir als erstes angelaufen haben. Am Nachmittag erholten wir uns von dem Militärmarsch durch ganz Hahei am Strand und genossen dabei ohne schlechtes Gewissen je einen fünf Dollar Luxusapfel. Ja genau, vom Minimarkt mit Riesenpreisen.

Vierundzwanzig Stunden später fand man uns schon wieder am Strand, denn für den zweiten Tag hatten wir einen Ausflug zur Cathedral Cove gebucht, die in einer wunderschönen paradiesischen Bucht gelegen war und vor ein paar Jahren als Filmkulisse für den zweiten Teil von "Narnia" diente. In dieser Bucht geschah es dann, dass ich den oben benannten Satz ausgesprochen hatte. Und wenn ich jetzt daran denke, empfinde ich schon wieder ein bisschen Schadenfreude. Aber nur ein bisschen, ihr Armen!

Die letzten zwei Tage in Hahei waren vom Regen bestimmt. Also stand lesen auf dem Programm. Und über Essen reden, Tee trinken und schlafen. Zum Hot Water Beach hatten wir es leider nicht mehr geschafft, aber uns zumindest vorgenommen, nochmal wiederzukommen und uns bei besserem Wetter einen eigenen kleinen Pool im Sand zu buddeln.

Heute zeigt der Navigationspfeil auf Tauranga, ein beschauliches Küstenstädtchen mit vielen Bars und netten Cafés. Der Hauptgrund, warum wir hergekommen waren, lag im Geldmangel und der daraus resultierenden Arbeitssuche, die bisher noch keinen Erfolg verzeichnet hat. Um das Wort "Kredit" auf meiner Karte noch eine Weile unbeachtet lassen zu können, beschlossen wir, ein paar Nächte couchsurfen zu gehen. Kurz bevor wir im Regen an ihrem Haus ankamen, erreichte uns die Nachricht, dass wir noch eine halbe Stunde auf Yvonne, unserem neuen Host, warten müssten, da sie nur ein "pushbike" hätte, mit dem sie zur Arbeit und zurück nach Hause fahren konnte. Schön. Da wir nicht weiter nass werden wollten, fragte ich sie am Telefon, wo wir uns unterstellen könnten. "Ach, ihr seid noch gar nicht drin?" Verwirrung. Natürlich waren wir noch nicht im Haus. Also empfahl sie uns den kleinen Dachvorsprung am Eingang als Regenschutz. Den Eingang stellten zwei dünne Schiebetüren aus Glas dar, wobei das Glas eigentlich kein Glas mehr, sondern eher eine dicke Schicht aus Schimmel und Spinnweben war. Es regnete immer noch und um uns herum krabbelten Spinnen und andere Vielfüßer. Interessantes Wohnen. Von drinnen blickte uns ein großer, alter Hund an, der sich später in der Nacht neben mir seine Flöhe aus dem Fell kratzen sollte. Als Yvonne mit ihrem Fahrrad fröhlich durch die Einfahrt fuhr, war ich mehr als überrascht, dass mich eine ganz normal aussehende Altenpflegerin anlachte und keine Kräuterhexe auf ihrem Besen vor mir landete. Noch überraschter war ich, als ich, nachdem die Frau die Schiebetüren öffnete, erfahren musste, dass es Raumdüfte jetzt auch mit der Note "Hundehütte" geben musste und Teppiche in der Ökovariante aus Hundehaaren bestanden. Als ich einen Blick auf meine Socken warf, nachdem ich mich fünf Schritte durch das Wohnzimmer bewegt hatte, stellte ich mir einfach vor, es wäre Lammfell. Am Abend freute ich mich dennoch auf das Rindersteak, was wir zuvor im Supermarkt gekauft hatten, doch als ich den ersten Bissen in meinem Mund hatte, war ich mir plötzlich sicher, wie Hundefleisch schmecken musste. Probiert es lieber nicht! In der Nacht campierte ich auf einem schmalen Stückchen Klappbett und war mir das erste Mal über die Vorteile meiner Größe bewusst. Ich messe 1.63 Meter. Das Einschlafen wurde mir versüßt durch Leck- und Kratzgeräusche direkt neben meinem Kopf. Ab und zu ein Schnaufen.

Die Kuriosität der Geschichte liegt jedoch darin, dass Yvonne überhaupt nicht in diese Hundehütte passte. Erst recht, weil sie nicht mal eine Hündin war, sondern liebevolle Altenpflegerin, grandiose Köchin, aktive Triathletin und belesene Kosmopolitin. Am Ende konnte ich mich sogar so gut mit ihr unterhlten, dass ich gern noch ein paar Nächte länger geblieben wäre.

Nun liege ich wieder auf einer Matratze im Hostel, Loft 109, und hoffe, dass sich noch ein Bauer meldet, der mir heute Morgen Hoffnung auf einen Job gemacht hatte. Drückt mir die Daumen, dann erzähle ich euch auch, wie's weiter geht!

 

Mittwoch, 29. September 2010

(29.09.2010) Nach 5 Nächten Couchsurfing und nunmehr 3 Nächten im Hostelbett melde ich mich zurück aus der Queen Street in Auckland. Ich bin also wieder dort, wo alles begann.
Falls es einige noch nicht oder nur brockenweise über den Pazifik erreicht hat, denen bestätige ich an dieser Stelle, dass ich aus meiner Gastfamilie rausgeschmissen wurde. Die Gründe lagen aber weniger bei mir, als bei der unheilbaren Krankheit meiner Gastmutter und der daraus resultierenden Empfindlichkeit gegenüber weiteren äußeren Störfaktoren, zu denen am Ende wohl auch ich gehörte. Wie aus meinem letzten Blogeintrag mehr oder weniger hervorging, möchte ich mich dennoch nicht durch verbale Wutausbrüche revanchieren, denn ich weiß nicht, wie ich selbst mich verhalten würde, wenn ich im Februar die Nachricht erhalten hätte, an MND erkrankt zu sein. Aus meiner Zeit in der Familie habe ich jeodch einiges über mich selbst erfahren und die Bestätigung für einige persönliche Thesen über das Leben erhalten. Wie unwahrscheinlich wäre es, wenn diese Lektionen sich nicht um Kinder drehen würden? Freut euch nun auf eine kurze philosophische Sitzung und versucht, die folgenden Fragen für euch zu beantworten. Ich habe nach 1,5 Monaten Aupair-Arbeit meine persönlichen Antworten darauf gefunden.
Du hast dir deine Wohnung nach deinen eigenen Vorstellungen eingerichtet. Kannst du dir vorstellen, dass dein Mobiliar später zuerst als kunterbuntes Allerlei von Hanna-Montana-Kleenex-Boxen, lachenden Clownsweckern und bunten ABC-Plüschraupen, die zwischen Fenster und Gardinenstange gequetscht sind, wahrgenommen wird?
Wie gefällt dir die Vorstellung, dass alles, was du anfasst, später entweder von Honig- oder Marmeladenresten kleben wird?
Wäre es schön, vom Schokoriegel immer etwas abgeben und in verklebte, schmierige Hände reichen zu müssen, nur um traurig zuzusehen, dass das Kind ohnehin nicht alles schafft und über die Hälfte des angekatschten, vor Speichel treifenden Riegels weggeschmissen wird.
Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass man sein hart verdientes Geld ein Leben lang in Undank und Egoismus investiert? (Meine Eltern werden jetzt lachen.)
Gefällt es dir, den Strandurlaub im ruhigen Privatresort zukünftig für einen Rutschenpark im familienfreundlichen Massenwohnblock einzutauschen?
All das habe ich in meiner Zeit als Aupair miterlebt und weiß von nun an, mit 100%iger Bestätigung, was ich nicht will. Tja, und da werden auch leise Hoffnungsschreie wie "Die Zeit wird ihre Meinung schon noch ändern, wirst du sehen" unerhört bleiben und in der dunklen Höhle der Ignoranz für immer verschwinden. Muhahaha!

Themawechsel: Letzte Woche war ich bei der New Zealand Fashion Week und musste mal wieder mit Wehmut erfahren, dass die Erfüllung mancher Träume eben doch vom Geld abhängig sind. Es war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte, oder vielleicht noch ein bisschen besser, denn ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass Neuseeland die Mode wirklich so ernst nimmt. Die Modenschauen fanden in einem großen Zelt statt, so, wie man es schon von der Mercedes-Benz-Fashion-Week in Berlin gewöhnt war. Bis man reingelassen wurde, vergingen lange Minuten des Wartens, da der Andrang an Fashionvictims wahrscheinlich sogar größer war, als das Gehalt des ein oder anderen Designers. Aber auch das lange Rumstehen hatte fast die gleichen Vorteile, wie überhaupt eine Karte für die IMD Designer Show zu ergattern, denn draußen tummelten sich die Models am Hafen und genossen die Sonne - und ich konnte ihnen ungestört dabei zusehen. Zugegeben, ich habe sie angestarrt, weil es sich bei den Prachtexemplaren ausschließlich um Männermodels handelte. Ich will nicht mehr allzu viel darüber verlieren, da die meisten bereits wissen, aus welchen Gründen mein Blick bei unseren männlichen Gefährten öfters mal ins Stocken gerät: Enge Hosen, Ray Ban Clubmaster und dieser freche Blick. Das reicht! Fotos wurden zur Genüge geschossen, nur leider hatte ich einen Tag nach den Shows den Speicherchip meiner Kamera verloren. Die göttlichen Bilder aus meinem Kopf halten jedoch für immer. Im Zelt angekommen, bekam jeder Besucher eine große Tüte mit Werbegeschenken aller Art: Kaffeepulver, Nagellack, Zeitschriften, Müsliriegel etc. Nicht schlecht! Die erste Show begann damit, dass ein weißer Vorhang, der den kompletten Runway abgedeckt hatte, fiel und alle Models, die für einige Sekunden die gleiche Pose hielten, entblößte, damit man das Gesamtkunstwerk, das heißt Sera Lilys Spring Summer Collection, einmal in seiner vollen Pracht genießen konnte. Genussmomente waren natürlich auch die Models wert. Groß, dünn und schön, so schwebten sie in geheimnisvollen Anmut über den Laufsteg und präsentierten leichte, zum größten Teil minimalistische Sommermode. Hätte ich das Geld, wäre ich nun um einige Teile ihrer Kollektion reicher. Und hätte ich das Geld, würde ich nächstes Jahr beginnen, Modedesign zu studieren. Wer hat eigentlich den Konjunktiv erfunden?

(06.Okt.2010)
Schon nachdem ich nur eine Millisekunde damit verbracht hatte, über das letzte Wochenende nachzudenken, spürte ich dieses ganz besondere Gefühl, das mir mitteilte, ich würde etwas legendäres erleben. Ein Zauber lag in der Luft. Und die Konzertticktes zur Unknown Pleasures Celebration mit Peter Hook neben meinem Münzfach in der Geldbörse. Pünktlich um 19.30 Uhr wurden die Tore der Konzerthalle geöffnet und schon konnte ich es wieder fühlen. Faszination, Respekt, Aufregung und Melancholie. 30 Jahre war es nunmehr her, dass sich Joy Division aufgrund von Ian Curtis' tragischem Selbstmord auflösen musste. Doch einer kam und feierte ihn noch immer. Und mit Peter Hook ein Publikum, das aus Zeitgenossen und Teenagern bestand, die immer noch auf die gleiche Musik, die 4 kurze Jahre mit einer "heiligen Stimme" gekrönt war, abfuhren. "Hookie", der Ians Stimme zwar nicht ersetzen, aber die Texte trotzdem mit der gleichen Würde singen konnte, war gut gelaunt und hatte offensichtlich immer noch Spaß am Leben als Rockstar. Ich spürte jeden einzelnen Song von "Unknown Pleasures" bis in mein Mark und musste tanzen, springen oder einfach nur die Augen schließen und darüber nachdenken, wie es wohl damals gewesen war. Ob Peter Hook wieder das gleiche fühlte, wie vor 30 Jahren und ob das Publikum ihn erschreckte, oder stolz machte. Antworten bekomme ich zwar nicht auf meine Fragen, aber dennoch kann ich behaupten, dass ich nun im Ansatz weiß, auch wenn es nur winzige Bruchstücke sind, wie es sich damals angefühlt haben muss, die echte Musik zu lieben und zu leben, als sich der Kommerz noch nicht wie eine Pest über die Radios und Konzerte legte. Vielen Dank dafür, Herr Hook!

Ortswechsel: Paihia, Northland, Neuseeland. Gerade genieße ich die ersten warmen Strahlen der Sommersonne und werde euch demnächst berichten, wie es denn so war. Bis dann!

Dienstag, 21. September 2010

Eben schlug mir wieder ein Brett vor den Kopf. Und so oft wie mir das bereits passiert ist, dürfte ich eigentlich gar nicht mehr in der Lage sein, euch überhaupt noch von irgendetwas zu berichten.
Genau genommen handelt es sich bei dem Brett um ein unerklärliches Phänomen, oder ein ungewolltes Talent. Würde man es nun als unerklärliches Phänomen bezeichnen, werde ich den Verusch unternehmen, es in den nächsten paar Zeilen erklärlich zu machen.
In völligem Frieden mit mir und der Welt, war ich gerade im Begriff die Aromen meines Roibos-Tees in spiritueller Ruhe und im Hintergrund dudelnder Bob Marley Rhythmen zu analysieren, als es mich traf, wie ein Schlag. Ich war gerade dabei, den Tee in dieser Weinverkoster-Manier in meinem Mund zu gurgeln und blickte dabei zufällig nach vorn zur Starbucks-Kasse: Asiatische Verkäuferin, lächelnd, einen südländischen Kunden bedienend. Er bekam seinen Kaffee und verschwand aus meinem Blickfeld. Dann rutschten die nächsten Kunden ins Bild. "WAS IST DAS?", schrie plötzlich eine Stimme in voller Lautstärke aus meiner unschuldigen Seele und im selben Moment begriff ich, dass die Frage bereits die Antwort gewesen war: "Sie sind wieder da!". Deutsche. Da stehen sie, fünf an der Zahl, in ihren Multifunktionsjacken, Jan Sport Rucksäcken, modischen Jeans aus dem Versandkatalog (stonewashed) und diesen Converse-Plagiaten von Deichmann. Auch die letzte an der Reihe hält ihr praktisches Canvas-Portemonnaie mit Blütenstickerei und vereinzelten Glitzersteinen (auch hier vermute ich Deichmann) bereits in der Hand, um auf alles vorbereitet zu sein. Ich schaue in die Gesichter: Die Augen konzentriert auf die Angebotstafeln gerichtet, die Wangen leicht errötet und die Münder offen. Dann blicken sie sich an und kichern. Lustig, denke ich mir. Im selben Moment frage ich mich, ob man Deutsche wirklich so einfach erkennen kann, obwohl wir doch alle westeuropäische Merkmale aufweisen und uns damit zumindest optisch nicht von Niederländern oder Franzosen unterscheiden sollten, oder ob ich tatsächlich ein Talent besitze, von dem ich lieber nie erfahren hätte. Dann fallen mir die Frisuren, wenn man sie als solche bezeichnen kann, von einigen Mädchen ins Auge. Ich sehe eine Naturkrause, die vermutlich mit einer großen Plastikbürste nach hinten zu einem strengen Zopf gezwängt wurde. Die Folge dessen ist eine halb wellige, halb glatte, fast undefinierbare Haarstruktur. Einige Strähnen, die natürlich ins Gesicht hätten fallen können, wurden mit Bobbypins auf Höhe der Ohren befestigt. Auf die Babyhaare am Stirnansatz legt sich ein leichter Schleier von Schweißperlen. Auch die selbstgefärbten Highlights, die sich vom Ansatz geschieden haben, erscheinen deutlich sichtbar. Eine andere Deutsche aus der Gruppe musste sich wohl vor der Reise ihre straßenköterblonden Haare noch zu Dreadlocks zerstören lassen haben; schließlich muss die Jack Wolfskin-Jacke mit den silbernen Reflektorstreifen mit der Frisur harmonieren, um alle Backpacker-Klischees offensichtlich zur Schau zu stellen.
Und dann, als sie alle ihre Getränke in den Händen halten und gerade dabei sind nach draußen zu marschieren, ruft eine Deutsche den anderen Gästen im Starbucks noch lautstark "Schönen Tag noch" (ja, auf Deutsch) zu. Auf der Straße sehe ich, wie sie sich krümmen vor Lachen. Ich muss auch lächeln, denn fast dachte ich, ich hätte den Wasser und Wind abweisenden Stoff der Multifunktionsjacke wieder knistern hören.

Sonntag, 19. September 2010

(Abschließen:
So weit man die Gedanken in meinem Kopf in Worte fassen könnte, entstünde daraus ein verworrenes Geflecht aus Gemeinheit und Mitgefühl, Wut und Traurigkeit. Dieses Netz aus der Sinnhaftigkeit von Geschriebenem würde sich um die Wände schlingen, in denen ich zu diesem Zeitpunkt wohne, um die Leute und um das traurige Geschehen, das sich in einer teuren Hülle des Scheins und der Entblößung abspielt.
Ein trübes Gemisch aus purer Verzweiflung und nie endender Hoffnung ist es, was Menschen dazu antreibt sich in einem tiefen Strudel dennoch über Wasser zu halten und zumindest im konzentriertesten Punkt, der nur das Primäre, das Reine, enthält eine friedliche Stabilität zu erhalten, um sich nur eine Sekunde länger vor der zerstörerischen Unordnung, die sie umgibt, zu schützen.
Das ist, was ich gelernt habe. Und das ist die Situation, die ich als Außenstehende, oder als Aupair jeden Tag beobachte und miterlebe. In einer Familie, die seit einigen Monaten auf einem Gleis mit sichtbarem Ende fährt und mit aller Kraft versucht, den Ausblick auf die Landschaft so schön wie möglich zu gestalten. Leider fühle ich mich nicht imstande dabei mitzuwirken. Weder als Akteurin, noch als Helferin. Ich bin 19 Jahre alt und von einer jungen Naivität verschleiert, die es mir unmöglich macht, einige Dinge zu verstehen und in bestimmten Momenten richtig zu handeln, oder so, wie man es von mir erwartet. Erwartungen sind stets subjektiv, individuell und auf einen bestimmten Moment begrenzt. Ich bin nicht fähig, in nur einem Moment zu leben. Deswegen habe ich entschlossen, die Familie und dessen Schicksal hinter mir zu lassen. Mit gemischten Gefühlen.)

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Reise startet, oder sich fortsetzt, aber es steht fest, dass mich viel Neues erwartet. Zum ersten Mal werde ich die Stadt verlassen, um die magischen Strände zu sehen, von denen mir so oft erzählt wurde. Ich werde neue Menschen kennenlernen, da ich mich vehement dagegen weigere, Geld für heruntergekommene Absteigen zu bezahlen, in deren Räumen meine Ohren einmal mehr die deutsche Landessprache wahrnehmen würden. Stattdessen werde ich mich bemühen, Ausschau nach privaten Sofas zu halten, um das Land nicht aus der Perspektive stumpfsinniger Touristenführer kennenzulernen.

Im Dezember wird es mich dennoch zurück nach Auckland treiben, vielleicht auf einer großen Welle direkt in die Konzertarena, in der ich entspannte Gitarrenklänge und Jack Johnsons scheue Sonnenuntergangsstimme im Duett genießen werde.

In zwei Wochen freue ich mich darauf, einen Bruchteil legendärer Musikgeschichte mitzuerleben. Peter Hook, Bassist von Joy Division, kommt nach Auckland, um das unbeschreibliche Album "Unknown Pleasures" und das Leben Ian Curtis' zu feiern. Ich weiß, ich werde fliegen. In Ekstase. Ich hoffe, es wird nicht zu emotional. Es folgt ein Gedanke an alle Toten. Auch Kurt.

Nächstes Wochenende berichte ich dann von der New Zealand Fashion Week, denn ich habe ein Ticket für verschiedene Shows gekauft. Aufgeregter bin ich jedoch auf den Streetstyle des Publikums. Ich erwarte Inspiration, Kunst und gute Stimmung. Mode eben.

Das Spannendste aus der Vergangenheit passierte gestern abend: Ich ging aus. Und es war schön!

Sonntag, 12. September 2010

Schon bevor ihr die nächsten paar Sätze lesen werdet, bitte ich euch hiermit um Verzeihung. Bitte verzeiht mir! Dieser Eintrag enthält lauter Feststellungen mit mehr, weniger oder gar keinen Zusammenhängen. Den Roten Faden bildet lediglich die Tatsache, dass ich, weil ich den ganzen Tag unterwegs war, müde bin, jetzt halb sitzend, halb liegend auf meinem Bett sitzliege und nicht in der Lage bin, lange, sinnvolle Sätze zu bilden, die am Ende ein großes Ganzes ergeben. Dennoch bemühe ich mich, die Feststellungen in eine chronologische Reihenfolge zu bringen.

Fangen wir am besten ab Freitag an:
Vergessen!

Also, Samstag:
1. Kekse können mich davon abhalten, ins Fitnessstudio zu gehen.
2. Wenn ich in meinen Bauch kneife, spüre ich dennoch weniger Fett.
3. Es steht 1:0 für das Fitnessstudio gegen die Keksmafia.
4. "Scott Pilgrim Vs. The World" ist ein empfehlenswerter, lustiger, durchgeknallter Film mit einem hochgradig sympathischen Protagonisten.
5. Sushi von "Kubick" ist das beste, was hemmungslose Seelachsjäger, gnadenlose Japaner und messerscharfe Messer zu bieten haben.
6. "Greenpeace" kann nichts dagegen tun, denn was schmeckt, schwimmt ohnehin schon in meinem Magen.
7. Man kann Türen auch leise zu machen, wenn man es wirklich will.
8. Über das fetteste Kind der Welt auf "Youtube" zu lachen, ist moralisch nicht verwerflich, sondern wirklich lustig.
9. Wer hätte das gedacht? Ich habe mindestens 3 Kugeln in 5 Runden Billard versenkt.
10. Der Kopf kann noch so schön, der V-Ausschnitt noch so tief sein; wer "Bootcut" trägt, ist raus.
11. Diese Knöchel-Nikes gehen mir auch langsam auf die Nerven.
12. Ich kann mich nicht mal mehr peinlich zu schlechter Musik benehmen, wenn ich betrunken bin. Stattdessen muss ich gehen.
13. Man kann Freunde neben dem Bett verstecken.

Sonntag:
14. Früh aufstehen ist schlimm, aber am Sonntag nicht schlimmer.
15. Vintage-Mode ist in Neuseeland viel zu teuer.
16. Schwaben sind kanuserig.
17. Es wird hart für Kristen Steward, jemals wieder das Twilight-Image abzulegen.
18. Ich habe Kristen Steward die Rolle als Joan Jett nicht abgekauft.
19. Schwaben sind kontinuierlich verwirrt.
20. Der englische Akzent ist immer noch der beste.
21. Müdigkeit ist der effizienteste Grund, diese Liste zu beenden.

Samstag, 4. September 2010

Schwärmerisch ,genüsslich, dunkel, legendär, emotional, verschwitzt, erstaunlich, bunt. So waren die letzten Tage. Aber fangen wir einmal von vorn an.

Vor circa einer Woche klingelte es an der Haustür. Kurz danach wurde ich gebeten, einmal nach draußen zu kommen, um jemanden kennenzulernen. Wer wollte mich denn kennenlernen? Vielleicht der Schöne, der mir letztens am Bahnhof auf der Rolltreppe entgegen kam und dem ich durch einen (zu) offensichtlich verliebten Blick hinterherstarrte und dabei noch irgendeinen schwärmerischen Ton von mir gab? Eigentlich habe ich in dem Bruchteil dieser Sekunde lediglich seine zauberhaften Haare und die schönen Sachen gesehen, aber das hat gereicht, nicht zuletzt, weil er meine Perplexität auch noch mit einem "Hey!" würdigte. Doch so schnell wie seine Schönheit gekommen war, verschwand sie auch wieder am Ende der Rolltreppe.
Stattdessen begrüßte mich unsere Nachbarin, die vorbeigekommen war, um meine Gasteltern kennenzulernen. Zufällig erwähnte sie vor ihnen, dass bei ihr ebenfalls ein Aupair wohnte, eine 21-jährige Engländerin, die ich unbedingt kennenlernen sollte. Überraschenderweise begrüßte mich die Nachbarsfrau auf Deutsch, sodass meine Gasteltern, die neben uns standen, nun in die verflixte Situation gekommen waren, einem wunderbar hrarrrrchschakr-ischem Gespräch zu folgen. Man sah ihnen die Qual an, die wir ihren Ohren antaten. Später am Abend, besuchte ich "the girl next door", um mich vorzustellen. Es gibt Leute, die einem sofort sympatisch sind. Aisha war eine davon. Wir unterhielten uns bis spät und nachdem ich ihren englischen Akzent nur so genüsslich aufgesogen hatte, erzählte ich es ihr auch. "I love your accent!". Sie bedankte sich und ich ging. In den letzten Tagen sahen wir uns wieder und entkamen eines Nachts knapp dem Tod. Es war so stürmisch draußen, dass sogar der Regenschirm zerbrach. Das mit dem Tod war dennoch übertrieben.
Am zweiten September stand der beste Tag seit zwei Monaten auf meinem Programm. D.I.M. live in Auckland. Be Club, Commerce Street Nummer 8. Beginn: 02:00 Uhr. Aufgeregt wie lange nicht, irrte ich mit meiner Freundin durch die Dunkelheit, bis wir den Club endlich gefunden hatten. Zunächst entschied ich mich, die Lage zu analysieren und jeden Einzelnen, der mir ins Blickfeld kam, zu mustern. Enttäuscht stellte ich fest, dass die Mädchen aussahen wie Tussis; viel zu kurze Kleider und zu viel Schnickschnack um den Hals. Eine präsentierte mit jedem holprigen Schritt auf ihren viel zu hohen Heels sogar ihre Arschbacken. Geschmackssache. Und die Jungs: Bootcut-Jeans, Nikes, und geschmacklose Tshirts weit und breit. Bis auf eine Ausnahme mit V-Neck Shirt, Skinnies und vintage Jeansweste. Aber der war, glaube ich, schwul, denn seine Freunde schienen öfters mal Tektonik in ihrer Freizeit zu tanzen. (Wer nicht weiß, was das ist: Youtube Stichwort "Jelle - A cause des garcons") Doch um zwei Uhr früh ging es los. Die ersten Heimatklänge drangen in mein Hörwerk und alles Adrenalin, das sich durch die Nichtbenutzung von Achterbahnen und anderen Dingen, die ich bisher für zu gefährlich in meinem Leben hielt, angestaut hatte, wurde spätestens beim Remix von "Lemonade" komplett ausgeschüttet. So donnerte ich mich durch die legendäre Nacht, in der mich die Sensibilität der Heimat meiner Seele emotional berührte und nur noch ich und die Musik in einer melancholisch aufregenden Atmosphäre tanzten, schwebten und alle Grenzen verschwanden. Meine Freundin saß müde auf einer Bank in einer finsteren Ecke und hustete vor sich hin. Nach ein paar Stunden war der Zauber vorbei. Ich fand mich verschwitzt in einem Taxi Richtung Ellerslie wieder und dachte nach, bis mich der Taxifahrer verwundert fragte, worüber ich mich denn so freuen würde.
Heute besuchte ich ein Reservat in New Lynn, dem Stadtteil, in dem meine deutsche Freundin als Aupair arbeitet. Jetzt, in den ersten Tagen des Frühlings, erscheint mir alles noch viel bunter und lebendiger. Kaum, dass ich ein kleines Fleckchen Rasen betreten hatte, musste ich auch schon anhalten, um einem langbeinigen Pukeko, der mit geschwollener Brust den Weg entlang stolzierte, Vorrang zu gewähren. Es ist erstaunlich, wie zutraulich die Tiere, vorallem die Vögel hier in Neuseeland sind. Als ich mich gerade vorsichtig an zwei schwarze Schwäne heranschlich, die sich mit ihren Küken am Ufer des im Park gelegenen Sees aufhielten, beschlossen diese prompt, mir ihren Nachwuchs aus nächster Nähe zu präsentieren und bewegten sich in aller Gelassenheit auf mich und mein Kameraobjektiv zu, sodass ich sie in aller Schönheit festhalten konnte. Später erlebte ich noch einen Rosenkrieg zwischen zwei Gänsen mit, an dem noch andere Parteien beteiligt waren und sich gegenseitig die Federn ausrissen und in ihre Hälse bissen. Nachdem ich das Schlachtfeld durchquert hatte, hätte man meinen schwarzen Mantel mit einer weißen Daunenjacke verwechseln können. Überall begegneten mir Unfassbarkeiten. Seien es die Osterglocken, die sich dicht an dicht über eine ganze Rasenfläche erstreckten oder Aale, die gierig an der Wasseroberfläche zusammen mit Enten, Möwen und Gänsen um ein paar Scheiben Toast rangen.
Andere beim Essen, oder noch schlimmer, beim Fressen zu beobachten macht hungrig. Also beschloss ich nach meinem Besuch im Park, mir ebenfalls etwas Leckeres zu gönnen - womit ich nicht sagen will, dass ich aufgeweichtes Toast in Fischwasser schmackhaft finde.
Zu Hause fanden sich noch ein paar Stücken des leckeren Kuchens, den vor kurzen jemand vorbeigebracht hatte. Und da ich euch diesen einzigartigen Genuss nicht vorenthalten will, gibt es hier das exklusive Rezept:

Zutaten für den Teig: 400g Reiskekse grob zerhackt, 1/2 Tasse (ca. 100g) Kokosraspel, 200g getrocknete Aprikosen grob zerhackt, 1/2 Packung Kondensmilch, 125g Butter (geschmolzen)

Zutaten für den Guss: 2 Esslöffel geschmolzene Butter, geriebene Schale einer Zitrone, 2 Tassen Puderzucker, je zwei Teelöffel Zitronensaft und Wasser (ggf. etwas mehr Wasser als Zitronensaft), 2 Esslöffel Kokosraspel

Zubereitung: (Für diesen Kuchen benötigt man keinen Ofen, nur einen Kühlschrank!) 32cm x 21cm großes Backblech mit Backpapier auslegen. Alle Zutaten für den Teig zusammenfügen und verrühren. Die Masse gleichmäßig auf dem Backblech verteilen und in den Kühlschrank stellen. Für den Guss die entsprechenden Zutaten, bis auf die Kokosraspel, zusammenmixen. Ein weinig Wasser hinzufügen, falls der Guss noch nicht weich genug ist. Auf der Teigmasse verteilen und zum Schluss die Kokosraspel drüberstreuen. Kuchen in kleine Quadrate schneiden. Fertig.

Mittwoch, 25. August 2010

Dass das Leben als Aupair in einem anderen Land stets mit Kulturaustausch verbunden ist, konnte ich gestern wieder unter Beweis stellen. So bot ich meiner Gastfamilie eine kulinarische Reise ins good, old Germany auf höchstem Niveau, indem ich die slebstgemachte Suppe von Tracy, meiner Gastmutter, mit wenigen Zutaten in ein deutsches Spezialgericht verwandeln konnte.
Man nehme:
Wasser, Öl, Tiefkühlgemüse, frische Kräuter, Geflügelstreifen, Gewürze und als besonderes Schmankerl oben drauf ein rohes deutsches Mädchen. Der Vorteil im "easy cooking" liegt darin, dass man sich jegliche Töpfe und Pfannen spart und stattdessen alles auf dem Küchenboden verteilt. Und an den Wänden. Überall. Praktisch, oder?
Für all jene, die meinen Instruktionen noch nicht ganz folgen können, erkläre ich den Ablauf dieses kulinarischen Trips einmal genauer: Man hebt eine schwere Schüssel, gefüllt mit Gemüsesuppe vom Esstisch, trägt sie zum Kühlschrank, vergisst, dass der Deckel nicht ganz so fest sitzt, wie man es erwartet hätte und lässt sie geradewegs zu Boden krachen. Für den besonderen deutschen Pfiff lässt man sich nun direkt in den Eintopf fallen und rutscht für das einzigartige Aroma noch einen Meter durch das bunte Allerlei, bis man von einer (einst) weißen Wand gebremst wird. Doch auch der beste Koch darf eines nie vergessen: Das Auge isst mit. So muss das Fleisch in der Suppe stets lächeln!
Das war gestern. Ich. In der Suppe. Und trotzdem gelacht. Nebenbei habe ich dann gleich noch drei Kinder zum Lachen gebracht und meinen Gastvater stolz gemacht, denn er rief mir nichts geringeres als "Great shot!" hinterher. Darauf kann man sich als Frau doch was einbilden, oder nicht? Zum Glück, stand direkt nach der Siegerehrung als "Schützenkönigin des Jahres" meine wöchentliche Bezahlung an und Paul schlug vor, mein Gehalt für diese exzellente Leistung zu erhöhen. War aber leider nur Ironie. Da meine eigene Kreation des Gemüseeintopfs bei der Familie nicht so beliebt wie der "great shot" schien, bemühte ich mich wenigstens, das Schlachtfeld besonders gut zu reinigen, sodass ich am Ende noch mit einem "Marlen, the kitchen looks awesome. Thank you so much!" ins Bett gehen konnte. Frisch geduscht und gut riechend versteht sich, denn deutsches Fleisch ist wiederverwendbar. Guten Appetit!

Freitag, 20. August 2010

"Der 20. August ist der 232. Tag des Gregorianischen Kalenders, somit bleiben 133 Tage bis zum Jahresende."*
Und da ich in diesem Jahr ohnehin noch meiner persönlichen Pflicht nachgehen will, euch die Wahrheit zu sagen, ein paar Geständnisse abzulegen, werde ich es heute tun. Heute, am 20. August 2010.

Seitdem meine Prüfungstermine fürs Abitur angesetzt waren und ich meinem Schicksal ins Auge sehen musste, brauchte ich Gründe, die Augen zu schließen. Während ich täglich mit Fragen wie "Haste schon für die Prüfung gelernt?" konfrontiert wurde, oder mir leicht durchschaubare Lügen wie "Boah, ich hab ja noch gor nüscht gemacht, nur gechillt!"aufgetischt wurden - einige Leute kannte ich nun schon so gut, um beurteilen zu können, dass jene Aussage und ihr Siegerlächeln nach der Vergabe der Matheklausuren nie zusammen passen konnten-, war ich sozusagen gezwungen, mich der Masse anzuschließen. Kurz gesagt: Ich musste lernen. Ein paar Wochen später erhielt ich dann das Ergebnis meines sogenannten "Lernprozesses". Sieben Kilo mehr auf der Waage. Vielleicht war ich nicht das einzige Opfer von Fressorgien während der Prüfungszeit. Aber ich vermute, meine Beweggründe waren andere. Denn anstatt mir eine Tafel Schokolade als "Glücklichmacher" nach langen Lernnachtschichten zu gönnen, nötigte ich Sie und ihre engsten Verwandten, um Gründe zu erschaffen, noch nicht lernen zu können. Da draußen haben schließlich noch mehr auf mich gewartet: Müsliriegel, Nutellagläser, Diätmuffins... Und die haben es nicht gern, lange stehenzubleiben. Ich musste Prioritäten setzen.

Nachdem meine vergangenen Diätversuche gescheitert waren und ich die Schwimmringe an meinem Bauch auch nach einem Monat in Neuseeland noch kräftig durchkneten konnte, klopfte ich an die Tür von Mach Ernst. Der empfahl mir, mich im Fitnessstudio anzumelden. Sofort!
Heute, zwei Tage nach der alles verändernden Unterschrift, stand mein Termin an, mich und meinen inneren Fitnessesel mal genauer unter die Lupe nehmen zu lassen, um mir mein individuelles Sportkonzept erstellen zu können. Ich hatte das Vergnügen mit einem Fitnesstrainer, so Mitte Zwanzig, der in naher Zukunft vor hat, für 6 Monate nach Deutschland zu ziehen. "Was willst du denn in Deutschland?", platzte aus mir heraus. Er hatte nur gelacht und sagte "Naja, mir geht´s wahrscheinlich wie dir. Wenn man zu lange im selben Land wohnt, muss man mal raus und was Neues sehen." Ich fragte mich nur, ob die vielen alten Leute auf Deutschlands Gehwegen wirklich so was Neues sind. Tja, und dann kam auch schon der Moment, als ich auf die Waage musste. Um mir meine Zweifel gar nicht erst anmerken zu lassen, bließ ich meine Backen so sehr auf, dass es schon fast weh tat, und kniff die Augen ganz fest zusammen. "Na sieht doch super aus. Alles im Normalbereich." Da ich mir sicher war, im oberen Normalbereich zu liegen, meinte ich nur, dass ich trotzdem fett sei. Pasta! Äh, Basta! Anschließend hatte ich die Ehre, auf einem Fragebogen eine eventuelle Krankheitsgeschichte zu verewigen, die Trainingsziele anzukreuzen und meinen Familienstand anzugeben. Na wen geht das denn was an? Das war es auch schon vom formellen Teil. An der Rezeption ging es dann um die Terminvergabe für die Vorstellung meines Trainingsplans und ein paar Deutschstunden.
"Also, Dienstag Vormittag wäre was frei für dich."
"Ja, super, dann sind die Kinder grad in der Schule und ich hab frei."
"Achso, aber da bin ich gar nicht da, das müsstest du dann mit Scott machen."
"Jup, kein Problem. Lassen wir es bei Dienstag und Scott."
"Ich bin aber Freitag da. Also wenn du willst, können wir das auch Freitag machen?!"
"Nein, Dienstag ist okay für mich."
"Ah, okay, ich bin es dir wohl nicht Wert noch bis Freitag zu warten, hm?"
Ich hasse solche Situationen. Was sollte ich denn da noch sagen, um nicht unfreundlich zu wirken? Standartlösung: Lächeln!
Und was es mit den Deutschstunden auf sich hat, verrate ich euch auch noch. Immer wenn ich unseren zukünftigen Neuseeländischen Besucher nun im Gym sehe, muss ich ihm ein paar deutsche Sätze beibringen. Heute gab ich ihm erstmal ein Wort auf, für das er bis morgen Zeit hat: DRO-GEN-AB-HÄN-GI-GER. Seit meiner Erfahrung mit einem Bekannten in London weiß ich, dass Englisch sprachigen Menschen kaum eine Chance bleibt, dieses Wort fehlerfrei, knäuelfrei auszusprechen. Doch kaum, nachdem ich es ihm aufgeschrieben hatte, rief er stolz: "Ick bin ein Dlogenabängiga!" Super, dann kann ja nichts mehr schiefgehen!

* Dank an Wikipedia.de

Mittwoch, 11. August 2010

Eins vorweg: Denkt gar nicht erst dran, zu sagen "Aus dir wird noch eine richtige Hausfrau!" Nein, auch nicht mit ironischem Unterton! Ich lese nicht gern zwischen den Zeilen. Hab es lieber konkret. Also, ganz konkret gesagt: Spart euch den Satz einfach! Dann komme ich vielleicht mal bei euch rum, um Staubzusaugen, oder den Abwasch zu erledigen...

Seit knapp zwei Wochen arbeite ich als Aupair. Wahrscheinlich ist es auch das erste Mal in meinem Leben, dass ich das Wort "Arbeit" genauso meine, wie seine ursprüngliche Bedeutung es von mir verlangt.
Arbeit, das heißt, das Klingeln des Weckers um 6.30 Uhr zu ignorieren, sich nochmal umzudrehen und bis 7.00 Uhr zu schlafen. Arbeit, das heißt, sich im Standby-Modus an die Sonderwünsche von 3 Kindern hinsichtlich ihres Lunchbox-Inhalts zu erinnern und die Peanutbutter nicht zu weit an den Sandwichrand zu schmieren. Arbeit, das heißt, im Trancezustand (bitte versteht mich nicht falsch, ich nehme keine Drogen, aber es ist noch nichtmal 8.00 Uhr) Geschirrspüler einräumen, Staubsaugen, Betten machen, Wäsche waschen.
Um 10.00 Uhr dann die große Erleichterung: Pause bis 14.30 Uhr. Und das heißt: 4,5 Stunden Schlaf.
Da der "afternoon-tea" und diverse labile, naive, semi-intelligente Wesen, auch "Kinder" oder "Heranwachsende" genannt, nicht lange auf sich warten lassen, liegt es in meiner Hand, einen Snack vorzubereiten und den anderen beim Essen zuzuschauen. Letzteres tue ich aus unwesentlichen Gründen freiwillig. Danach spiele ich seit neustem den Klassenclown und schmeiße mich mit den männlichen und weiblichen Nachkommen in den Dreck und lebe dabei meine eigenes Bedürfnis aus, endlich mal wieder, nach 14 Jahren, "Feuer, Wasser, Sand" zu spielen. Ob ich mal mit aufs Trampolin kann, habe ich mich noch nicht getraut zu fragen.
Da Neuseeland (zum Glück) nicht Deutschland ist, erlebe ich hier jeden Tag, was Freundlichkeit wirklich bedeutet. Diese erspart es mir nämlich mindestens 5 Mal in der Woche, Dinner zu machen. Freunde und Nachbarn kommen tagsüber vorbei und bringen mal Lasagne, mal Chop Suey oder andere Speisen. Meinstens gibt´s dann noch einen Kuchen oder eine Torte oben drauf. Und da sich mein Blog hauptsächlich an die deutsche Leserschaft richtet, bitte ich euch, nicht zu fragen "Und was bekommen die dann dafür?" Denn einige würden vom Stuhl kippen, wenn die Antwort lautet: "Nichts, außer ein 'Thank you' und ein nettes Lächeln."
Nach dem Dinner, wenn alle Arbeit getan ist, freue ich mich auf einen guten Film und das Sofa neben dem Kamin.
Das beste vom Tag ist es aber, bettfertig mein Zimmer zu betreten und die Unordnung zu genießen. Denn wenn man erstmal weiß, was "Ordnung" bedeutet, lernt man das Chaos erst richtig zu schätzen.
Hoffentlich ist es bald Schlafenszeit!

Montag, 2. August 2010

Me too not!

Der heutige Post ist an all jene gerichtet, die mich gerne mal fragen würden: "Und, wie klappt das so mit dem Englisch?"
Ich würde dann antworten: "Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal klappt es ganz gut -zusammen-, was öfters dazu führt, einen Satz aufgrund fehlender Vokabeln plötzlich abzubrechen. Mein Gesicht könnte man sich, auf der Suche nach dem entscheidenden Wort dann etwa so vorstellen: Der Mund ca. 1 cm geöffnet, ein Mundwinkel (meist der linke) soweit verschoben, dass er auf Höhe des äußeren Endes meiner Iris steht und meine Backenzähne sichtbar werden. Der Kopf leicht schräg gen Himmel geneigt, das linke Auge zusammengekniffen und der Blick ebenfalls diagonal nach oben gerichtet. Die rechte Augenbraue minimal hochgezogen. Ganz zu schweigen von der sonderbaren Gestik, denn ich bin mir nicht sicher, ob meine Handbewegungen denen eines Schwimmers oder eher eines flugunfähigen Vogels gleichen. Tragischerweise passiert es nicht selten, dass mir das verfluchte Wort nach dieser spastischen Prozedur immer noch nicht eingefallen ist. Hilft alles nix! Also, Plan B! In der zweiten Phase versuche ich dann, die Vokabel physisch zu demonstrieren. Das klappt sogar bei "iPod-Verbindungskabel": Unterstützend zu den komplexen verbalen Erläuterungen (z.B. "The white, long thing...") winkelt man die Zeigefinger beider Hände so an, dass sie zusammen mit den Daumen jeweils einen kleinen Kreis ergeben und bewegt die Hände im Intervall zueinander und voneinander weg. Und das alles, um herauszufinden, dass "Kabel" im Englischen "cabel" heißt.

Aber natürlich gibt es auch gute Tage, an denen ich 3 Sätze fließend hintereinander sprechen, und ich am Ende sogar noch über meine eigenen englischen Witze lachen kann. (Falls ich die einzige bin, die lacht, liegt das aber nicht an der Sprache...)
Seit ich bei meiner Gastfamilie wohne, lerne ich jeden Tag neue Wörter. Sei es nach den oben beschriebenen Wortfindungsprozessen, oder einfach nur durchs Zuhören. Ich schnappe alltägliche Wörter und Wendungen ganz nebenbei auf und behalte sie, weil ich sie an anderer Stelle einfach wieder benutze. Viele, die vor ihrem Auslandsjahr aus der Schule kommen, können sich kaum vorstellen, dass man seine Sprachkenntnisse in 12 oder weniger Monaten enorm verbessern kann. Me neither. Aber bereits nach 3 Wochen stelle ich fest, dass Englischlernen wirklich einfach ist und nebenbei noch ein paar wirkungsvolle Gymnastikübungen bereithält."

Go for it!

Freitag, 23. Juli 2010

Surfen gehoert nach Neuseeland wie HartzIV nach Deutschland. Mit dem Couchsurfen verhaelt es sich nicht anders. Heute ist der sechste Tag in der dritten Familie auf meiner Sofa-Welle in Auckland. Grund genug, die letzten Tage zusammenzufassen.

Nachdem ich vier Naechte im Hostel verbracht habe und ich meine Brieftasche nicht daran hindern konnte, dem Geld gewisse Freiheiten zu goennen, war es an der Zeit dem Geldhahn den Hals umzudrehen. So landete ich fuer drei Tage in einer eigensinnig konstellierten WG im Westen der Stadt. Dave, ein Kuenstler mit Motivationsproblemen der selbst "zu faul zum Reisen" ist und sich deshalb die Welt in sein Zimmer holt, an Wochenenden "nie nuechtern" bleibt, und seit sechs Jahren in seinem Wohnzimmer studiert, ist stets darum bemueht, dass sich seine Gaeste wohlfuehlen. Dass sich seine Couchsurfer in seinem legalen Repartoire an tausenden Raubkopien auf seinem Computer bedienen durften, war selbstverstaendlich im Service enthalten. Der einzige Minuspunkt meines Aufenthalts in der Wharf Road war der Kaelte im ganzen Haus verschuldet, denn abends kam eher Eisschollenstimmung als Inselvergnuegen auf. Trotzdem: Danke, Dave!

Anschliessend verschlug es mich in ein grosses Holzhaus mitten in einem Palmengarten zu einer Grossfamilie, ebenfalls in West-Auckland gelegen. Abgeholt wurde ich am Hauptbahnof von Karens Neffen Karn und dessen Tante. Karn erklaerte mir gleich zu Beginn, dass er besoffen waere und ich antwortete ihm, dass ich das bereits gerochen haette. Die Autofahrt vom Bahnhof bis zu meinem voruebergehenden Zuhause dauerte etwa eine halbe Stunde und ich war umso erleichterter, als ich das Haus betrat und ich meinen Atem nicht vor meinen Augen sehen konnte. Es war warm. Nachdem Karen und ihre Schwester ins Bett gegangen waren, verschuettete Karn noch drei Mal sein Bier auf dem Teppich und stimmte mir zu, dass es sich dabei um kuenstlerische Freiheit handeln wuerde. Als ich am naechsten Morgen das Wohnzimmer betrat, und ich fast ueber einen fetten Klumpen am Boden gestolpert waere, versuchte mir Karens zweiter Neffe gerade zu erklaren, dass es sich bei diesem Klumpen um eine Katze handelte. Das war spaetestens zu erahnen, als sich der Fellhaufen Richtung Fressnapf bewegte. Spaeter wurden mir noch die Kuehe und Rosie, die alte Sau, im Garten vorgestellt. Habe ich schon den Hund erwaehnt? Obwohl mein Bett minimal nach einem Gemisch aus diversen Tieren roch, war das Haus wirklich gepflegt und die Leute richtig nett. Und warum sollte man sich ueber irgendetwas beschweren, wenn es zum Fruehstueck Bakon, mit Ei und Toast gibt? Ich danke Karen und allen Mitbewohnern!

Und nun sitze ich hier in der Church Street in einem Singlehaushalt am Devonport und wohne bei Amitee, einem Makeup-Artist, die vor zwei Wochen von ihrem Mann verlassen wurde. Ihr fuenf Monate alter Sohn schreit morgens so laut, dass man ihn besser in der Wecker Industrie einsetzen sollte. Mehr kann ich noch nicht berichten. Ich bleibe noch zwei Tage hier. Bis dahin, danke, Amitee!

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die Planlosigkeit schließt einen Plan nicht aus!




"Und, was machst du jetzt so, nach den zwei Hostel-Übernachtungen?"
"Ich habe mich um einen Job gekümmert, und ihn bekommen. Ich werde jetzt auf einer Farm arbeiten und danach in den Süden, wahrscheinlich mit Stray, der Busorganisation."
"Hm, schön. Ist ja super!"

Wer mich kennt, weiß, welchen Teil ich in dieser Konversation übernommen habe. Eben diesen Teil, der die Planungen seines Gegenübers nicht mit doppelt so vielen Zukunftsaussichten toppen könnte.
Aber wenn jeder, den man nach seinen Planungen fragt, sofort eine oder mehrere Antworten parat hat und man sich danach fast gedemütigt fühlt und sich fragt "Warum klappt die Planerei bei mir einfach nicht?", ergibt es sich irgendwie von selbst, dass man sich dann doch hier und da mal umschaut und sich die Zukunftsaussichten automatisch konkretisieren. So habe ich heute auf einer Farm angerufen, um dort für zwei Wochen zu bleiben, ohne Bezahlung, dafür Unterkunft und Essen inklusive. Ich wurde gebeten, mich später nocheinmal zu melden, da die Bauernfrau noch auf eine andere Bewerberin warte. Ich hoffe, der Teufel hat jene Bewerberin ergriffen und in seine Höhle verschleppt!
Überraschenderweise hat sich nach der heutigen und letzten Travelworks-Präsentation noch ein Plan Nummer 2 ergeben. Obwohl ich es vorher nie in Erwägung gezogen habe, versuche ich mich jetzt um einen Platz als Au-Pair zu bewerben, denn so locker scheinen die Bewerbungsgespräche hier doch nicht zu laufen, sodass ich mich nicht sofort super selbstbewusst mit meinem deutschen Hackbeil-Englisch einem Arbeitgeber in einem Hotel, einer Bar oder sonstwo präsentieren würde. Also lieber erstmal sprechen lernen.
Wenn das mal kein Plan ist!

Dienstag, 13. Juli 2010

future look


Ab heute lebe ich in der Zunkunft. Und die Zukunft ist wirklich unglaublich. Ehrlich gesagt, haette ich nicht vermutet, dass ich nach einem zehnstuendigen Flug von Frankfurt nach Seoul und nach weiteren elf Stunden bis nach Auckland in der Lage bin, ueberhaupt noch irgendetwas wahrzunehmen. Doch der wolkenlose Himmel und das satte Gruen der Pflanzen holten mich bereits am Flughafen wieder aus meiner Abwesenheit zurueck in die Wirklichkeit. Alles sieht hier irgendwie gesuender aus. Nachdem wir in den Bus gestiegen waren, haute mich der Akzent des Busfahrers auch gleich mal um. Der kiwi-accent ist naemlich ein Erbe der damaligen britischen Besetzung Neuseelands und klingt, tattattattaaaa, britisch! Fuer mich heisst das konkret: Ohrenverwoehnprogramm for free - elf Monte lang.
Bevor wir dem Weg zum Hostel folgten, legten wir noch einen Stop am Mt. Eden, einem Vulkan, ein, fuer ein paar Fotos von Auckland aus der Vogelperspektive. Das Meer umsaeumt die groesste Kiwi-Stadt von Osten und Westen, darum nennt sich der Hafen auch nicht umsonst "sparkling harbour".
Nun, nachdem wir die Rucksaecke alle im Hostel abgestellt haben, sitze ich hier mit ein paar anderen aus der Gruppe im Travelworks-office mit Ausblick auf die Stadt, um euch von meinem Tag zu berichten.
Da gibt es doch gleich noch eine wichtige Statistik zum Schluss: Die heutige Skinnyjeans-Bilanz betraegt 6 enge Hosen in einer halben Stunde city walk. Gar keine Schlechten Aussichten hier ;)

Donnerstag, 8. Juli 2010

Und, schon wach?

In weniger als 5 Tagen werde ich am Frankfurter Flughafen den Flieger Richtung Auckland über Seoul betreten. In meiner Vorstellung sehe ich in der Wartehalle ein kleines Mädchen mit großem Rucksack, das mit naivem Blick seine Umgebung auskundschaftet, einige der Mitreisenden ab und zu anlächeln und mit dem ein oder anderen ein nettes Gespräch führen wird. Und dann, nach 20 Stunden Flug wird es am anderen Ende der Welt angekommen sein, das erste Mal neuseeländischen Boden betreten und mal gucken, was so los ist auf der Insel.

Wenn ich nun noch Aufregung vor der Reise Richtung Südkugel in meine Visionen einbeziehen sollte, müsste ich ersteinmal nach ihr suchen. So, wie ich sie vor sämtlichen Abiturprüfungen gesucht habe - nie gefunden. Und genauso ist es auch diesmal. Ich bin kein bisschen aufgeregt vor dem, was vor mir liegt. Ich freue mich nur. Das liegt vermutlich daran, dass ich noch gar nicht richtig wach bin, denn ich habe das Gefühl, als gehe es in den Urlaub, so für zwei, drei Wochen. Falsch gefühlt! Diesmal packe ich meinen Rucksack nämlich nur mit Klamotten für eine einzige Woche. Und da darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Textilien elf Monate lang in neuseeländischen Waschtrommeln geschleudert werden sollen. Das ist auch schon der Anfang vom Ende meiner Fantasie, denn so richtig vorstellen kann ich mir noch nicht, dass es so lange dauern kann, bis man herausgefunden hat, was so los ist auf der Insel.

Von nun an werde ich euch regelmäßig über Kuriositäten, Bekanntschaften und Neuentdeckungen auf meiner Reise informieren und euch hoffentlich beweisen, dass meine Zweifel unbegründet sind.

Aloha!