Mittwoch, 25. August 2010

Dass das Leben als Aupair in einem anderen Land stets mit Kulturaustausch verbunden ist, konnte ich gestern wieder unter Beweis stellen. So bot ich meiner Gastfamilie eine kulinarische Reise ins good, old Germany auf höchstem Niveau, indem ich die slebstgemachte Suppe von Tracy, meiner Gastmutter, mit wenigen Zutaten in ein deutsches Spezialgericht verwandeln konnte.
Man nehme:
Wasser, Öl, Tiefkühlgemüse, frische Kräuter, Geflügelstreifen, Gewürze und als besonderes Schmankerl oben drauf ein rohes deutsches Mädchen. Der Vorteil im "easy cooking" liegt darin, dass man sich jegliche Töpfe und Pfannen spart und stattdessen alles auf dem Küchenboden verteilt. Und an den Wänden. Überall. Praktisch, oder?
Für all jene, die meinen Instruktionen noch nicht ganz folgen können, erkläre ich den Ablauf dieses kulinarischen Trips einmal genauer: Man hebt eine schwere Schüssel, gefüllt mit Gemüsesuppe vom Esstisch, trägt sie zum Kühlschrank, vergisst, dass der Deckel nicht ganz so fest sitzt, wie man es erwartet hätte und lässt sie geradewegs zu Boden krachen. Für den besonderen deutschen Pfiff lässt man sich nun direkt in den Eintopf fallen und rutscht für das einzigartige Aroma noch einen Meter durch das bunte Allerlei, bis man von einer (einst) weißen Wand gebremst wird. Doch auch der beste Koch darf eines nie vergessen: Das Auge isst mit. So muss das Fleisch in der Suppe stets lächeln!
Das war gestern. Ich. In der Suppe. Und trotzdem gelacht. Nebenbei habe ich dann gleich noch drei Kinder zum Lachen gebracht und meinen Gastvater stolz gemacht, denn er rief mir nichts geringeres als "Great shot!" hinterher. Darauf kann man sich als Frau doch was einbilden, oder nicht? Zum Glück, stand direkt nach der Siegerehrung als "Schützenkönigin des Jahres" meine wöchentliche Bezahlung an und Paul schlug vor, mein Gehalt für diese exzellente Leistung zu erhöhen. War aber leider nur Ironie. Da meine eigene Kreation des Gemüseeintopfs bei der Familie nicht so beliebt wie der "great shot" schien, bemühte ich mich wenigstens, das Schlachtfeld besonders gut zu reinigen, sodass ich am Ende noch mit einem "Marlen, the kitchen looks awesome. Thank you so much!" ins Bett gehen konnte. Frisch geduscht und gut riechend versteht sich, denn deutsches Fleisch ist wiederverwendbar. Guten Appetit!

1 Kommentar:

  1. Herrlich, kann ich mir gut vorstellen, wie Du Dich da langgemacht hast ;) Falls Du doch mal eine Suppe kochen willst, probiers mit Linsensuppe, da sind die Kiwis verrückt nach :-D

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