"Der 20. August ist der 232. Tag des Gregorianischen Kalenders, somit bleiben 133 Tage bis zum Jahresende."*
Und da ich in diesem Jahr ohnehin noch meiner persönlichen Pflicht nachgehen will, euch die Wahrheit zu sagen, ein paar Geständnisse abzulegen, werde ich es heute tun. Heute, am 20. August 2010.
Seitdem meine Prüfungstermine fürs Abitur angesetzt waren und ich meinem Schicksal ins Auge sehen musste, brauchte ich Gründe, die Augen zu schließen. Während ich täglich mit Fragen wie "Haste schon für die Prüfung gelernt?" konfrontiert wurde, oder mir leicht durchschaubare Lügen wie "Boah, ich hab ja noch gor nüscht gemacht, nur gechillt!"aufgetischt wurden - einige Leute kannte ich nun schon so gut, um beurteilen zu können, dass jene Aussage und ihr Siegerlächeln nach der Vergabe der Matheklausuren nie zusammen passen konnten-, war ich sozusagen gezwungen, mich der Masse anzuschließen. Kurz gesagt: Ich musste lernen. Ein paar Wochen später erhielt ich dann das Ergebnis meines sogenannten "Lernprozesses". Sieben Kilo mehr auf der Waage. Vielleicht war ich nicht das einzige Opfer von Fressorgien während der Prüfungszeit. Aber ich vermute, meine Beweggründe waren andere. Denn anstatt mir eine Tafel Schokolade als "Glücklichmacher" nach langen Lernnachtschichten zu gönnen, nötigte ich Sie und ihre engsten Verwandten, um Gründe zu erschaffen, noch nicht lernen zu können. Da draußen haben schließlich noch mehr auf mich gewartet: Müsliriegel, Nutellagläser, Diätmuffins... Und die haben es nicht gern, lange stehenzubleiben. Ich musste Prioritäten setzen.
Nachdem meine vergangenen Diätversuche gescheitert waren und ich die Schwimmringe an meinem Bauch auch nach einem Monat in Neuseeland noch kräftig durchkneten konnte, klopfte ich an die Tür von Mach Ernst. Der empfahl mir, mich im Fitnessstudio anzumelden. Sofort!
Heute, zwei Tage nach der alles verändernden Unterschrift, stand mein Termin an, mich und meinen inneren Fitnessesel mal genauer unter die Lupe nehmen zu lassen, um mir mein individuelles Sportkonzept erstellen zu können. Ich hatte das Vergnügen mit einem Fitnesstrainer, so Mitte Zwanzig, der in naher Zukunft vor hat, für 6 Monate nach Deutschland zu ziehen. "Was willst du denn in Deutschland?", platzte aus mir heraus. Er hatte nur gelacht und sagte "Naja, mir geht´s wahrscheinlich wie dir. Wenn man zu lange im selben Land wohnt, muss man mal raus und was Neues sehen." Ich fragte mich nur, ob die vielen alten Leute auf Deutschlands Gehwegen wirklich so was Neues sind. Tja, und dann kam auch schon der Moment, als ich auf die Waage musste. Um mir meine Zweifel gar nicht erst anmerken zu lassen, bließ ich meine Backen so sehr auf, dass es schon fast weh tat, und kniff die Augen ganz fest zusammen. "Na sieht doch super aus. Alles im Normalbereich." Da ich mir sicher war, im oberen Normalbereich zu liegen, meinte ich nur, dass ich trotzdem fett sei. Pasta! Äh, Basta! Anschließend hatte ich die Ehre, auf einem Fragebogen eine eventuelle Krankheitsgeschichte zu verewigen, die Trainingsziele anzukreuzen und meinen Familienstand anzugeben. Na wen geht das denn was an? Das war es auch schon vom formellen Teil. An der Rezeption ging es dann um die Terminvergabe für die Vorstellung meines Trainingsplans und ein paar Deutschstunden.
"Also, Dienstag Vormittag wäre was frei für dich."
"Ja, super, dann sind die Kinder grad in der Schule und ich hab frei."
"Achso, aber da bin ich gar nicht da, das müsstest du dann mit Scott machen."
"Jup, kein Problem. Lassen wir es bei Dienstag und Scott."
"Ich bin aber Freitag da. Also wenn du willst, können wir das auch Freitag machen?!"
"Nein, Dienstag ist okay für mich."
"Ah, okay, ich bin es dir wohl nicht Wert noch bis Freitag zu warten, hm?"
Ich hasse solche Situationen. Was sollte ich denn da noch sagen, um nicht unfreundlich zu wirken? Standartlösung: Lächeln!
Und was es mit den Deutschstunden auf sich hat, verrate ich euch auch noch. Immer wenn ich unseren zukünftigen Neuseeländischen Besucher nun im Gym sehe, muss ich ihm ein paar deutsche Sätze beibringen. Heute gab ich ihm erstmal ein Wort auf, für das er bis morgen Zeit hat: DRO-GEN-AB-HÄN-GI-GER. Seit meiner Erfahrung mit einem Bekannten in London weiß ich, dass Englisch sprachigen Menschen kaum eine Chance bleibt, dieses Wort fehlerfrei, knäuelfrei auszusprechen. Doch kaum, nachdem ich es ihm aufgeschrieben hatte, rief er stolz: "Ick bin ein Dlogenabängiga!" Super, dann kann ja nichts mehr schiefgehen!
* Dank an Wikipedia.de
hey marlen,
AntwortenLöschendeine tante hat mir von total begeistert dem blog erzählt und gesagt ich soll hier unbedingt mal reinlesen. so hab ich nun gemacht:0)
hast n klasse schreibstil und ich mußte viel schmunzeln. ich wünsche dir noch eine tolle zeit dort und freue mich über noch mehr lustige storys
grüße aus berlin
marina (kennste vielleicht noch von als du klein warst ;0) )