(Abschließen:
So weit man die Gedanken in meinem Kopf in Worte fassen könnte, entstünde daraus ein verworrenes Geflecht aus Gemeinheit und Mitgefühl, Wut und Traurigkeit. Dieses Netz aus der Sinnhaftigkeit von Geschriebenem würde sich um die Wände schlingen, in denen ich zu diesem Zeitpunkt wohne, um die Leute und um das traurige Geschehen, das sich in einer teuren Hülle des Scheins und der Entblößung abspielt.
Ein trübes Gemisch aus purer Verzweiflung und nie endender Hoffnung ist es, was Menschen dazu antreibt sich in einem tiefen Strudel dennoch über Wasser zu halten und zumindest im konzentriertesten Punkt, der nur das Primäre, das Reine, enthält eine friedliche Stabilität zu erhalten, um sich nur eine Sekunde länger vor der zerstörerischen Unordnung, die sie umgibt, zu schützen.
Das ist, was ich gelernt habe. Und das ist die Situation, die ich als Außenstehende, oder als Aupair jeden Tag beobachte und miterlebe. In einer Familie, die seit einigen Monaten auf einem Gleis mit sichtbarem Ende fährt und mit aller Kraft versucht, den Ausblick auf die Landschaft so schön wie möglich zu gestalten. Leider fühle ich mich nicht imstande dabei mitzuwirken. Weder als Akteurin, noch als Helferin. Ich bin 19 Jahre alt und von einer jungen Naivität verschleiert, die es mir unmöglich macht, einige Dinge zu verstehen und in bestimmten Momenten richtig zu handeln, oder so, wie man es von mir erwartet. Erwartungen sind stets subjektiv, individuell und auf einen bestimmten Moment begrenzt. Ich bin nicht fähig, in nur einem Moment zu leben. Deswegen habe ich entschlossen, die Familie und dessen Schicksal hinter mir zu lassen. Mit gemischten Gefühlen.)
Ich bin mir nicht sicher, ob meine Reise startet, oder sich fortsetzt, aber es steht fest, dass mich viel Neues erwartet. Zum ersten Mal werde ich die Stadt verlassen, um die magischen Strände zu sehen, von denen mir so oft erzählt wurde. Ich werde neue Menschen kennenlernen, da ich mich vehement dagegen weigere, Geld für heruntergekommene Absteigen zu bezahlen, in deren Räumen meine Ohren einmal mehr die deutsche Landessprache wahrnehmen würden. Stattdessen werde ich mich bemühen, Ausschau nach privaten Sofas zu halten, um das Land nicht aus der Perspektive stumpfsinniger Touristenführer kennenzulernen.
Im Dezember wird es mich dennoch zurück nach Auckland treiben, vielleicht auf einer großen Welle direkt in die Konzertarena, in der ich entspannte Gitarrenklänge und Jack Johnsons scheue Sonnenuntergangsstimme im Duett genießen werde.
In zwei Wochen freue ich mich darauf, einen Bruchteil legendärer Musikgeschichte mitzuerleben. Peter Hook, Bassist von Joy Division, kommt nach Auckland, um das unbeschreibliche Album "Unknown Pleasures" und das Leben Ian Curtis' zu feiern. Ich weiß, ich werde fliegen. In Ekstase. Ich hoffe, es wird nicht zu emotional. Es folgt ein Gedanke an alle Toten. Auch Kurt.
Nächstes Wochenende berichte ich dann von der New Zealand Fashion Week, denn ich habe ein Ticket für verschiedene Shows gekauft. Aufgeregter bin ich jedoch auf den Streetstyle des Publikums. Ich erwarte Inspiration, Kunst und gute Stimmung. Mode eben.
Das Spannendste aus der Vergangenheit passierte gestern abend: Ich ging aus. Und es war schön!
Im Abschied ist die Geburt der Erinnerung, und wenn die neuste Erinnerung schön ist, ist das doch gut.Ja, dann mach mal viele Photos von den Leuten in der Fashion Week. Hier im Radio gabs heute Karten zu gewinnen - die Zuhörer waren außer sich :-D
AntwortenLöschenJa ich wurde gestern rausgeschmissen aber ich will jetzt trotzdem nichts gemeines sagen wegen der Krankheit von der Mutter... Und Fashionweek wird hfftl toll aber hab nur ne Karte für Samstag ;)
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