Samstag, 4. September 2010

Schwärmerisch ,genüsslich, dunkel, legendär, emotional, verschwitzt, erstaunlich, bunt. So waren die letzten Tage. Aber fangen wir einmal von vorn an.

Vor circa einer Woche klingelte es an der Haustür. Kurz danach wurde ich gebeten, einmal nach draußen zu kommen, um jemanden kennenzulernen. Wer wollte mich denn kennenlernen? Vielleicht der Schöne, der mir letztens am Bahnhof auf der Rolltreppe entgegen kam und dem ich durch einen (zu) offensichtlich verliebten Blick hinterherstarrte und dabei noch irgendeinen schwärmerischen Ton von mir gab? Eigentlich habe ich in dem Bruchteil dieser Sekunde lediglich seine zauberhaften Haare und die schönen Sachen gesehen, aber das hat gereicht, nicht zuletzt, weil er meine Perplexität auch noch mit einem "Hey!" würdigte. Doch so schnell wie seine Schönheit gekommen war, verschwand sie auch wieder am Ende der Rolltreppe.
Stattdessen begrüßte mich unsere Nachbarin, die vorbeigekommen war, um meine Gasteltern kennenzulernen. Zufällig erwähnte sie vor ihnen, dass bei ihr ebenfalls ein Aupair wohnte, eine 21-jährige Engländerin, die ich unbedingt kennenlernen sollte. Überraschenderweise begrüßte mich die Nachbarsfrau auf Deutsch, sodass meine Gasteltern, die neben uns standen, nun in die verflixte Situation gekommen waren, einem wunderbar hrarrrrchschakr-ischem Gespräch zu folgen. Man sah ihnen die Qual an, die wir ihren Ohren antaten. Später am Abend, besuchte ich "the girl next door", um mich vorzustellen. Es gibt Leute, die einem sofort sympatisch sind. Aisha war eine davon. Wir unterhielten uns bis spät und nachdem ich ihren englischen Akzent nur so genüsslich aufgesogen hatte, erzählte ich es ihr auch. "I love your accent!". Sie bedankte sich und ich ging. In den letzten Tagen sahen wir uns wieder und entkamen eines Nachts knapp dem Tod. Es war so stürmisch draußen, dass sogar der Regenschirm zerbrach. Das mit dem Tod war dennoch übertrieben.
Am zweiten September stand der beste Tag seit zwei Monaten auf meinem Programm. D.I.M. live in Auckland. Be Club, Commerce Street Nummer 8. Beginn: 02:00 Uhr. Aufgeregt wie lange nicht, irrte ich mit meiner Freundin durch die Dunkelheit, bis wir den Club endlich gefunden hatten. Zunächst entschied ich mich, die Lage zu analysieren und jeden Einzelnen, der mir ins Blickfeld kam, zu mustern. Enttäuscht stellte ich fest, dass die Mädchen aussahen wie Tussis; viel zu kurze Kleider und zu viel Schnickschnack um den Hals. Eine präsentierte mit jedem holprigen Schritt auf ihren viel zu hohen Heels sogar ihre Arschbacken. Geschmackssache. Und die Jungs: Bootcut-Jeans, Nikes, und geschmacklose Tshirts weit und breit. Bis auf eine Ausnahme mit V-Neck Shirt, Skinnies und vintage Jeansweste. Aber der war, glaube ich, schwul, denn seine Freunde schienen öfters mal Tektonik in ihrer Freizeit zu tanzen. (Wer nicht weiß, was das ist: Youtube Stichwort "Jelle - A cause des garcons") Doch um zwei Uhr früh ging es los. Die ersten Heimatklänge drangen in mein Hörwerk und alles Adrenalin, das sich durch die Nichtbenutzung von Achterbahnen und anderen Dingen, die ich bisher für zu gefährlich in meinem Leben hielt, angestaut hatte, wurde spätestens beim Remix von "Lemonade" komplett ausgeschüttet. So donnerte ich mich durch die legendäre Nacht, in der mich die Sensibilität der Heimat meiner Seele emotional berührte und nur noch ich und die Musik in einer melancholisch aufregenden Atmosphäre tanzten, schwebten und alle Grenzen verschwanden. Meine Freundin saß müde auf einer Bank in einer finsteren Ecke und hustete vor sich hin. Nach ein paar Stunden war der Zauber vorbei. Ich fand mich verschwitzt in einem Taxi Richtung Ellerslie wieder und dachte nach, bis mich der Taxifahrer verwundert fragte, worüber ich mich denn so freuen würde.
Heute besuchte ich ein Reservat in New Lynn, dem Stadtteil, in dem meine deutsche Freundin als Aupair arbeitet. Jetzt, in den ersten Tagen des Frühlings, erscheint mir alles noch viel bunter und lebendiger. Kaum, dass ich ein kleines Fleckchen Rasen betreten hatte, musste ich auch schon anhalten, um einem langbeinigen Pukeko, der mit geschwollener Brust den Weg entlang stolzierte, Vorrang zu gewähren. Es ist erstaunlich, wie zutraulich die Tiere, vorallem die Vögel hier in Neuseeland sind. Als ich mich gerade vorsichtig an zwei schwarze Schwäne heranschlich, die sich mit ihren Küken am Ufer des im Park gelegenen Sees aufhielten, beschlossen diese prompt, mir ihren Nachwuchs aus nächster Nähe zu präsentieren und bewegten sich in aller Gelassenheit auf mich und mein Kameraobjektiv zu, sodass ich sie in aller Schönheit festhalten konnte. Später erlebte ich noch einen Rosenkrieg zwischen zwei Gänsen mit, an dem noch andere Parteien beteiligt waren und sich gegenseitig die Federn ausrissen und in ihre Hälse bissen. Nachdem ich das Schlachtfeld durchquert hatte, hätte man meinen schwarzen Mantel mit einer weißen Daunenjacke verwechseln können. Überall begegneten mir Unfassbarkeiten. Seien es die Osterglocken, die sich dicht an dicht über eine ganze Rasenfläche erstreckten oder Aale, die gierig an der Wasseroberfläche zusammen mit Enten, Möwen und Gänsen um ein paar Scheiben Toast rangen.
Andere beim Essen, oder noch schlimmer, beim Fressen zu beobachten macht hungrig. Also beschloss ich nach meinem Besuch im Park, mir ebenfalls etwas Leckeres zu gönnen - womit ich nicht sagen will, dass ich aufgeweichtes Toast in Fischwasser schmackhaft finde.
Zu Hause fanden sich noch ein paar Stücken des leckeren Kuchens, den vor kurzen jemand vorbeigebracht hatte. Und da ich euch diesen einzigartigen Genuss nicht vorenthalten will, gibt es hier das exklusive Rezept:

Zutaten für den Teig: 400g Reiskekse grob zerhackt, 1/2 Tasse (ca. 100g) Kokosraspel, 200g getrocknete Aprikosen grob zerhackt, 1/2 Packung Kondensmilch, 125g Butter (geschmolzen)

Zutaten für den Guss: 2 Esslöffel geschmolzene Butter, geriebene Schale einer Zitrone, 2 Tassen Puderzucker, je zwei Teelöffel Zitronensaft und Wasser (ggf. etwas mehr Wasser als Zitronensaft), 2 Esslöffel Kokosraspel

Zubereitung: (Für diesen Kuchen benötigt man keinen Ofen, nur einen Kühlschrank!) 32cm x 21cm großes Backblech mit Backpapier auslegen. Alle Zutaten für den Teig zusammenfügen und verrühren. Die Masse gleichmäßig auf dem Backblech verteilen und in den Kühlschrank stellen. Für den Guss die entsprechenden Zutaten, bis auf die Kokosraspel, zusammenmixen. Ein weinig Wasser hinzufügen, falls der Guss noch nicht weich genug ist. Auf der Teigmasse verteilen und zum Schluss die Kokosraspel drüberstreuen. Kuchen in kleine Quadrate schneiden. Fertig.

3 Kommentare:

  1. Ich sehe gerade zum ersten Mal Bilder in Deinem Blog. Waren die schon immer da, oder hast Du die nachträglich eingefügt? So blind konnte ich doch gar nicht sein :-D

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  2. Ach Lennart ;) Habe sie nachträglich hinzugefügt, und wahrscheinlich sind sie dir nicht aufgefallen, weil ich zu einigen Eintgrägen die oben waren keine reingemacht habe. Aber ich dachte mir, ein bisschen Bunt schadet nie :) Wohnst du jetzt eigentlich in der WG wo Dario zuletzt war? Hätte ja gar nicht gedacht, dass du dich überhaupt sesshaft machst!

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  3. Dario hat in Dunedin gewohnt, ich bin 1000km davon entfernt :-) Sesshaft sein ist schön, nach 2 Monaten wwoofen und nur 2 mal im Hostel geschlafen zu haben ;)
    Ja, die Bilder machen das wunderbar bunt, gefällt mir.

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